Twitter schließt 125.000 Accounts wegen Terrorismus

Am Anfang stand das Motto "Keine Zensur". Doch Kommunikationsnetze sind auch Werkzeuge für Terroristen. Jetzt reagiert Twitter und schließt Accounts, die IS-Unterstützern zugeschrieben werden.

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Das Counter Extremism Project hat Tweets des IS dokumentiert

(Bild: counterextremism.com)

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Twitter hat seinen Einsatz gegen die Verbreitung von Terrorpropaganda verstärkt. Seit Mitte 2015 schloss das US-Unternehmen nach eigenen Angaben 125.000 Zugänge, über die terroristische Aktionen vor allem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angedroht oder unterstützt wurden.

Das Unternehmen teilte mit: "Wie die meisten Menschen auf der Welt sind wir über diese Gräueltaten erschüttert. Diese Art von Verhalten wird von unserem Dienst nicht unterstützt, genauso wenig wie jede gewalttätige Bedrohung." Brett McGurk, der Sondergesandte des Präsidenten Barack Obama im Kampf gegen den IS, begrüßte das Vorgehen in einem Tweet.

Alle Twitterzugänge und -mitteilungen würden sehr genau geprüft, ein internes Team sei dafür verstärkt worden. Neben den bereits geschlossenen Zugängen würden einige Accounts beobachtet, die ähnliche Merkmale aufwiesen. Dabei schöpft Twitter aus seinen Erfahrungen im Kampf gegen Spam. Es gebe große Fortschritte bei der Identifizierung von Terror-Accounts und Twitter reagiere schneller auf solche Nachrichten.

Twitter arbeite zur Bekämpfung des Terrorismus eng mit den Strafverfolgungsbehörden und der Justiz zusammen. Im Januar hatten Berichten zufolge US-Regierungsvertreter mit IT-Firmen darüber gesprochen, wie die Rekrutierung von IS-Sympathisanten über soziale Medien unterbunden werden könne. Die US-Regierung hatte die IT-Firmen aufgefordert, Methoden zu entwickeln, Radikalisierung zu entdecken und zu messen, wie CNN berichtete. Unter anderem Facebook, Google, Apple und Microsoft hatten ihre Mitarbeit bekundet.

Der Einsatz der sozialen Medien gegen den Terrorismus geht aber laut Twitter darüber hinaus. Es gebe keinen "Zauber-Algorithmus", mit dem Terror-Inhalte aufgestöbert werden könnten. "Globale Online-Plattformen müssen sehr schwierige Entscheidungen auf Basis von sehr geringer Information und Richtlinien treffen", schrieb Twitter in dem Blog-Eintrag.

Marc Wallace, Chef des 2014 zunächst in den USA gegründeten Counter Extremism Project, hatte Mitte vorigen Jahres moniert, Twitter gehe bei der Löschung von Extremisten-Accounts am zögerlichsten vor. Andere sozialen Medien seien zu der Zeit gegen extremistische Nutzer vorgegangen, Twitter habe hingegen die wachsende Zahl der Nutzer des IS weitgehend ignoriert. (mit Material der dpa) / (anw)