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Technology Review

Twitter und die Sozioökonomie: Wer morgens mehr twittert, ist vielleicht arbeitslos

Spanische Forscher haben geocodiete Daten des Kurznachrichtendienstes verwendet, um sozioökonomische Studien durchzuführen.

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Wer morgens mehr twittert, ist vielleicht arbeitslos

Es dürfte wenig überraschen, dass sich die wirtschaftliche Situation eines Menschen auch in dessen Verhalten in den sozialen Medien äußert. Genau das haben Alejandro Llorente von der Autonomen Universität Madrid und seine Kollegen nun untersucht, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. In ihrer jüngsten Studie zeigten sie auf, dass sich ein breites Muster aus Twitter-Aktivitäten in den Städten und Kreisen Spaniens mit der jeweiligen Arbeitslosenquote korrelieren lässt. Grundlage der Untersuchung war eine Datenbank aus 19,6 Millionen Tweets, die mit Geodaten aus Spanien versehen waren – publiziert zwischen November 2012 und Juni 2013.

Die Ergebnisse zeigen, dass es klare Unterschiede zwischen Regionen mit hoher und niedriger Arbeitslosigkeit gibt. Beispielsweise ist die Anzahl der Tweets zwischen 9 Uhr am Morgen und der Tagesmitte an Werktagen dort deutlich höher, wo es viele Arbeitslose gibt. Diese Tweets enthalten zudem mit größerer Wahrscheinlichkeit Worte wie "Job" oder "Arbeitslosigkeit". Die Nachrichten enthalten außerdem häufiger Rechtschreibfehler, so Llorente und sein Team, was möglicherweise von einem niedrigeren Bildungsniveau herrühren könne. "Wir zeigen, dass Verhaltensweisen, die mit Arbeitslosigkeit zusammenhängen, aus den digitalen Spuren bei Twitter herausgelesen werden können", heißt es in der Studie.

Die Nutzung von Twitter und Co. halten Llorente und seine Kollegen daher für eine interessante Alternative zu regulären Umfragen. Hinzu kommt, dass dies Staat und Politikern erlaube, Veränderungen in der Bevölkerung zu überwachen – und das sehr schnell. Die Forscher hoffen, dass sich ihre Methode auch auf andere Ländern übertragen lässt.

Nicht alle Sozialwissenschaftler glauben allerdings daran, dass die Daten von Twitter und Co. genau genug sind. Ein Forscherteam der Carnegie Mellon University schrieb kürzlich, viele aktuelle Studien sozialer Medien seien problematisch, weil das Verhalten der Nutzer durch die Plattform beeinflusst sei und sich Menschen nicht unbedingt ehrlich verhielten.

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(bsc)

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