Twitter unter der Lupe

Wer soziale Netzwerke analysiere und haltbare Schlussfolgerungen ziehen wolle, müsse die heimlichen Beziehungen aufdecken, in denen Menschen einander beim Nachrichtenaustausch vertrauten, meinen Forscher in einer Studie über den Micro-Blogging-Dienst.

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Von
  • Detlef Borchers

Die wissenschaftliche Internet-Zeitschrift First Monday hat in ihrer neuen Ausgabe einen Aufsatz über den Micro-Blogging-Dienst Twitter veröffentlicht. Basierend auf der Analyse von rund 300.000 Twitter-Nutzern kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass sich hinter dem Gemisch der Followers und Followees ein zweites Freundes-Netzwerk verbirgt. Dieses Netzwerk soll das eigentliche Gerüst des Micro-Blogging-Angebotes sein.

Die Wissenschaftler Huberman, Romero und Wu, die auch das Crowdsourcing bei YouTube untersucht haben, überprüften die Datensätze von 309470 "Twitterern", die durchschnittlich 255 Mitteilungen im SMS-Stil verschickten. Dabei hatten sie durchschnittlich 85 eigene "Follower" und waren selbst "Follower" von 80 anderen Twitter-Nutzern. Von dieser oberflächlichen Beziehung unterschieden die Wissenschaftler "Freunde", definiert als Nutzer, die sich mindestens zwei Nachrichten direkt zugeschickt haben, was am Nutzernamen und dem führenden @-Zeichen einfach erkennbar ist.

In der statistischen Analyse der Daten konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die Anzahl der Twitter-Nachrichten mit der Zahl der Follower und Freunde korreliert, dass jedoch ab etwa 400 Followern kaum noch ein Zuwachs am Nachrichten-Output erfolgt. Hingegen bleibt der Anstieg der Nachrichten beim Anstieg der Freunde konstant. Daraus leiten die Wissenschaftler die Ansicht ab, dass die kostbare, weil knappe Ressource Aufmerksamkeit unter Freunden und nicht unter Followern geteilt wird. Entsprechend warnen sie vor voreiligen Schlussfolgerungen, allein aus der Zahl der Follower oder der Anzahl von Twitter-Nachrichten zu einem Thema die Popularität eines Themas zu ermitteln. Wer soziale Netzwerke analysiere und daraus haltbare Schlussfolgerungen ziehen wolle, müsse die heimlichen Beziehungen aufdecken, in denen Menschen einander beim Nachrichtenaustausch vertrauten. (Detlef Borchers) / (jk)