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Twitter verbietet Werbung Kasperskys

Twitter erlaubt Kaspersky nicht mehr, Reklame zu schalten, nennt dafür aber keine konkreten Gründe. Das offenbart der Sicherheitsanbieter in einem Brief an Twitters Management.

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Tür mit Aufschrift "Vietato L'accesso ai non adetti ai lavori", "Vietato Fumare" und "Premiato Sistema Anticonformista"

"Zutritt Verboten" heißt es für "promoted Tweets" Kasperskys.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Twitter hat entschieden, Werbung von allen Twitter-Konten Kaspersky Labs [abzulehnen]. Diese Entscheidung basiert auf unserer Feststellung, dass Kaspersky Lab ein Geschäftsmodell betreibt, das von Natur aus mit den Gepflogenheiten des Twitter-Werbegeschäfts in Konflikt steht", heißt es in einer drei Monate alten Mitteilung Twitters an Kaspersky, die nicht namentlich gezeichnet ist. Konkrete Regelverstöße werden nicht behauptet. Eine schriftliche Anfrage Kasperskys vom 6. Februar veranlasste Twitter nur zu einer Wiederholung des Textbausteins.

Twitters Mitteilung an Kaspersky

(Bild: Kaspersky/Twitter)

Daher hat Kaspersky-Chef Eugene Kaspersky am Freitag einen Offenen Brief an Twitter geschickt. "Liebe Twitter-Manager, bitte seien Sie so freundlich und teilen Sie uns die Überlegungen hinter dieser Sperre mit; erklären Sie umfassend die Entscheidung, unsere Werbemöglichkeit abzudrehen, und enthüllen Sie, was andere IT-Sicherheitsfirmen tun müssen, um ähnliche Situationen zu vermeiden. Darüber hinaus [–] binnen vernünftiger Frist, bitte."

Sollte es sich um einen Irrtum handeln, solle Twitter das zugeben, schließlich mache jeder Fehler. Eugene Kaspersky bittet die Adressaten, sich nicht über den Brief zu ärgern, und unterstreicht die Bedeutung von Transparenz. In diesem Sinne veröffentlicht er Angaben über die von Kaspersky auf Twitter geschaltete Werbung.

Demnach war das Budget sehr überschaubar und wurde insbesondere für die Bewerbung von Tweets in Indien, Russland und Brasilien ausgegeben (siehe Grafik). Inhaltlich standen Sicherheitstipps und Warnungen vor Ransomware sowie Abhilfe dagegen im Mittelpunkt. Nur zwei Kampagnen kosteten Kaspersky mehr als 10.000 Euro, und auch das nur knapp. Kasperskys Twitter-Werbebudget für 2018 geht nun als Spende an die Electronic Frontier Foundation (EFF): "Die tun viel, um Online-Zensur zu bekämpfen", schreibt Eugene Kaspersky.

US-Medienberichte stellen Twitters Reklamebann in Zusammenhang mit Vorwürfen der US-Regierung, Kaspersky unterhalte enge Beziehungen zu russischen Diensten, und die Software könnte dazu genutzt werden, russische Spionage zu ermöglichen. Washington hat Kaspersky von US-Regierungssystemen ausgeschlossen, wogegen das in Moskau gegründete Unternehmen gerichtlich vorgeht.

Eugene Kaspersky bezeichnet die Vorwürfe als "haltlos [und] falsch". Er beschreibt sein Geschäftsmodell als "Schema F der IT-Security-Branche: Wir versorgen User mit Produkten und Dienstleistungen, und sie zahlen uns dafür." Zur Untermauerung lässt er seine Quellcodes von unabhängiger Seite untersuchen. Normale Tweets darf @kaspersky weiterhin absetzen. (ds)

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