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UMTS-Generalprobe auf der CeBIT

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Für die milliardenschweren Investitionen in das mobile Internet schlägt die Stunde der Wahrheit. Auf der weltgrößten Technologiemesse CeBIT in Hannover haben die Besitzer der sündhaft teuren UMTS-Lizenzen die Zeitpläne für den Start des neuen Mobilfunkstandards in den nächsten 15 Monaten bekräftigt.

Nach Verzögerungen und Flops beginnt auf der CeBIT die Generalprobe für neue multimediale Angebote. Die hoch verschuldeten Telecom-Konzerne hoffen, dass Handys mit farbigen Displays und rasantem Internet-Zugang die Verbraucher vom Nutzen der drahtlosen Welt überzeugen.

E-Plus zeigt auf der CeBIT als erster deutscher Anbieter den in Japan längst etablierten Dienst i-mode zum Herunterladen von Spielen oder Informationen vom Internet aufs Handy und will damit innerhalb eines Jahres bis zu 600.000 Kunden gewinnen. Ab Mitte 2002 wollen die Telekom-Unternehmen das so genannte Multimedia Messaging (MMS) anbieten. Mit dem einheitlichen Standard können Kurznachrichten auf dem Handy auch zusammen mit Bildern oder Melodien verschickt werden. "MMS wird den Markt vorantreiben, wie es einst die einfache Textnachricht SMS getan hat", sagte Matti Alahuhta, Präsident von Nokia Mobile Phones. Ende 2002 würden die Hälfte aller Mobiltelefone des Marktführers MMS-tauglich sein.

Die Frage, ob sich die neuen Angebote überhaupt durchsetzen, könnte für die Branche wichtiger sein als die technischen Details der einzelnen Mobilfunk-Generationen mit ihren verwirrenden Abkürzungen. Noch steht das mobile Internet am Anfang: Mit GPRS, dem Nachfolger des alten Standards GSM, sind nach einer Studie von Gartner Dataquest weltweit erst zwei Prozent aller Handys ausgestattet. UMTS ist dann der nächste Schritt. "Wenn wir Glück haben, taucht die dritte Generation nahtlos auf, indem Dienste und Anwendungen weiterentwickelt werden, die Menschen wirklich benutzen wollen. Sonst schießt sich UMTS selbst in den Fuß", meint Danny Williams, Analyst beim Telecom-Branchendienst Baskerville.

Als Vorreiter zumindest beim Zeitpunkt der UMTS-Einführung hat sich inzwischen Vodafone herausgeschält: Die Nummer zwei im deutschen Markt hält an einem Start im Herbst 2002 in einigen Ballungszentren fest. T-Mobile und Viag Interkom (künftig O2) planen erst für den Sommer 2003. "Die Herausforderung ist die Verfügbarkeit von Handys, die im alten und im neuen Netz funktionieren", sagte Peter Erskine, Vorstandschef des Viag Interkom- Mutterkonzerns mm02, vor der CeBIT. "Wir werden nicht in Netze investieren, die keine Kunden haben."

Der Erfolg des mobilen Internet ist ein Muss für die gesamte Telekommunikationsindustrie: Die sechs Netzbetreiber gaben allein in Deutschland rund 50 Milliarden Euro für die UMTS-Lizenzen aus. Als sicher gilt bisher nur, dass die beiden Marktführer T-Mobile und Vodafone finanziell bis zum Ende durchhalten werden. Die Handy-Hersteller wiederum mussten im vergangenen Jahr erstmals weltweit rückläufige Absatzzahlen vermelden. Offenbar sind die meisten Menschen bereits mit einem Handy versorgt oder scheuen sich noch, ein teureres Modell mit zusätzlichen Funktionen zu kaufen.

Die Unsicherheiten der Verbraucher werden derzeit auch durch offen ausgetragene Konflikte genährt. Bei MobilCom überschatten die Streitereien mit France Telecom, die 28,5 Prozent an dem schleswig-holsteinischen Unternehmen hält und die Investitionen für UMTS finanzieren soll, den Aufritt auf der CeBIT. France-Telecom-Chef Michel Bon hatte kurz zuvor eine "Operation Wahrheit" für seine Auslandsbeteiligungen angekündigt. Beide Unternehmen hatten sich in den vergangenen Wochen in aller Öffentlichkeit über die Auslegung ihres Kooperationsvertrags gestritten.

Die unsichere wirtschaftliche Lage der Netzbetreiber, nicht eingehaltene Versprechungen, undurchsichtige Bezahlung und fehlende Standards bei den neuen Diensten -- die Liste der Hürden für UMTS ist lang. Zudem droht Konkurrenz von einer Technik, die bisher vor allem auf Flughäfen und in Hotels als drahtloser Internet-Zugang zum Einsatz kommt: Dem so genannten Wireless LAN. Auf der CeBIT soll auf 300.000 Quadratmetern der bisher größte Feldversuch für ein solches Funknetz starten. Es ist deutlich schneller als UMTS und kostet keine Lizenzgebühren. (Alexander Missal, dpa) / (Alexander Missal, dpa) / (anw)

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