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UN-Bericht zum Klimawandel: Welt steuert auf 3,2 Grad Klimaerwärmung zu

Die Staaten der Welt haben im Kampf gegen die Klimaerwärmung zu lange gewartet. Nun seien radikale Schritte nötig, warnen die Vereinten Nationen.

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(Bild: yotily/Shutterstock.com)

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Die Staatengemeinschaft hat es nicht geschafft, den anhaltenden Anstieg bei Treibhausgasemissionen zu beenden und deswegen sind nun "tiefere und schnellere Einschnitte" nötig. Das bilanzieren die Vereinten Nationen im Bericht zum Zwischenstand bei der Treibhausgasreduktion. Der sei "trostlos", heißt es in dem "Emissions Gap Report", der die Lücke zwischen "dem wo wir gerne wären und dem wo wir sind" beschreibt. Auch wenn alle Staaten ihre im Rahmen des Pariser Abkommens eingegangenen Verpflichtungen erfüllten, steuere die Erde auf eine Klimaerwärmung um 3,2 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 zu. Um das Ziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung zu erreichen, müsse viel mehr viel schneller unternommen werden.

Ende 2015 hatten sich die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz in Paris darauf geeinigt, die menschengemachte Erwärmung des weltweiten Klimas auf deutlich weniger als 2 Grad Celsius unter dem vorindustriellen Ausgangswert begrenzen zu wollen. Die Staaten der Welt verpflichten sich unter anderem zu Maßnahmen, um ihren Anteil beizusteuern. Die bislang vorgelegten Maßnahmen reichen aber nicht einmal ansatzweise aus, um das Ziel zu erreichen, heißt es nun in dem Report. Und das, obwohl sich mehrere europäische Staaten – darunter Deutschland – sowie die Europäische Union selbst ein Nullemissionsziel bis 2050 gesetzt haben, beziehungsweise auf dem Weg dahin seien, wie die Vereinten Nationen erklären.

Sollten die weltweiten Treibhausgasemissionen – die in den vergangenen Jahren jährlich um 1,5 Prozent gestiegen seien – zwischen 2020 und 2030 nicht jedes Jahr um 7,6 Prozent fallen, werde die Welt die Gelegenheit verpassen, zurück auf den Pfad zu gelangen, der vom Pariser Abkommen vorgegeben wurde. Aktuell bewege man sich stattdessen auf eine deutlich höhere Klimaerwärmung zu, verbunden mit weitreichenderen und zerstörerischen Folgen. Das kommende Jahr sei entscheidend, heißt es weiter. Zur Klimawandel-Konferenz der Vereinten Nationen im schottischen Glasgow würden ambitioniertere Selbstverpflichtungen der Staaten erwartet. Man könne aber nicht bis dahin warten.

Nötig seien nun schnelle Maßnahmen, um eine Reduzierung des jährlichen Treibhausgasausstoßes überhaupt erst einmal anzustoßen, drängt Inger Andersen vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), das für den Bericht verantwortlich ist: "Wir müssen die Jahre aufholen, in denen wir die Dinge aufgeschoben haben." Wenn wir das nicht schaffen, sei das 1,5-Grad-Ziel schon vor 2030 außer Reichweite. Es sei nun vor allem an den Industriestaaten, die aus Gründen der Fairness den Weg beschreiten sollten, aber alle Staaten müssten mehr leisten. Die Technologie und das politische Wissen dafür sei vorhanden, aber der Umbau müsse jetzt beginnen.

In dem Bericht werden auch Maßnahmen für sieben Staaten beziehungsweise die Europäische Union vorgeschlagen, die zusammen 56 Prozent der weltweiten Treibhausgase ausstoßen. Der EU wird etwa empfohlen, Investitionen in Infrastruktur für fossile Treibstoffe zu untersagen – inklusive Pipelines. Kohlekraftwerke müssten schneller abgeschaltet werden und der Verkauf von Autos sowie Bussen mit Verbrennungsmotor sollte verboten beziehungsweise der Umstieg auf Elektroantriebe angestrebt werden. Gebäude sollten schneller renoviert werden und eine Strategie für emissionsfreie Industrieprozesse erarbeitet werden. Ähnliche Vorschläge gibt es für Argentinien, Brasilien, China, Indien, Japan und die USA.

Ermutigend finden die Autoren der Studie, dass die Kosten für Strom aus Erneuerbaren Energien schneller sinken, "als noch vor wenigen Jahren prognostiziert". Ökostrom sei gegenwärtig die günstigste Energiequelle für neue Kraftwerke in den meisten Teilen der Welt. Das habe zur Folge, dass immer weniger neue Kohlekraftwerke gebaut und aktive stillgelegt würden. Gleichzeitig werde auch immer klarer, welche weiteren positiven Folgen das Handeln gegen den Klimawandel habe, etwa für die Sauberkeit der Luft. Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, sei noch erreichbar, heißt es zum Schluss. Nicht nur Staaten, sondern jede Stadt, jede Region, jedes Unternehmen und jedes Individuum müssten aber jetzt handeln. (mho)