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UN-Konferenz nimmt Kinderpornografie im Internet ins Visier

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In Berlin hat gestern die erste nationale Konferenz zum Thema "kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern" begonnen. Mit dem Treffen wird eine erste Bilanz der UNO-Weltkonferenz 1996 in Kopenhagen gezogen und die zweite Konferenz dieser Art im Dezember dieses Jahres im japanischen Yokohama vorbereitet.

Familienministerin Ingrid Bergmann hob in der Eröffnungsrede hervor, dass die Bundesregierung die Auflagen von Stockholm "als erstes Land weitgehend erfüllt" habe, wozu vor allem die Reform des Strafrechtes von 1998 zählt. Einigkeit herrscht unter den Experten, das Internet stärker kontrollieren zu müssen. Denn nicht nur der Handel mit Kinderpornografie werde schwerpunktmäßig über dieses Medium abgewickelt, das Netz diene den Tätern auch als Kommunikationsforum. Groß ist allerdings die Hilflosigkeit, wenn es um die Lösungsansätze geht. "Ich finde es erschütternd", sagte die Familienministerin, "wenn ich mir die Höhe der Zugriffszahlen auf Seiten mit kinderpornografischem Inhalt ansehe".

Geht es um die Strafverfolgung von Pornohandel, übrigens nicht nur im Netz, stehen die Behörden zunächst aber vor ganz elementaren Problemen. Eine Vertreterin der "Lobby für Menschenrechte" beklagte die schon auf europäischer Ebene unterschiedlichen Definitionen von Pornografie. Friedemann Schindler, Referent von "Jugendschutz.net", sieht ein besonderes Manko in der Machtlosigkeit bei der Darstellung unbekleideter Kinder. Bei solchen "Posenfotos" sei den Vertreibern höchstens wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechtes beizukommen. Das sei besonders problematisch, da diese Fotos oft als "Appetizer" funktionierten, also zum Zugriff auf Seiten mit härterem Inhalt anregten. Zu fordern sei daher ein generelles Verbot solcher Darstellungen in einem sexuellen Kontext und das Anheben der Altersgrenze.

Neben der juristischen Aktion sollen aber auch die Provider in die Pflicht genommen werden. Auf der Jagd nach geldwerten Pageviews deklarieren viele Content-Anbieter ihre Seiten falsch, um in der Masse der Angebote aufzufallen. Ein beliebte Methode dabei ist die Bewerbung mit kinderpornografischen Suchbegriffen. "Da der sexuelle Missbrauch von Kindern durch solche falsche Deklarationen funktionalisiert und enttabuisiert wird", solle sich die Internet-Industrie eine freiwillige Selbstbeschränkung auferlegen, sagte Schindler am Mittwoch im Gespräch mit Telepolis.

Neben den immensen Zuwachsraten macht den Behörden besonders die Tatsache zu schaffen, dass 90 Prozent aller Seiten mit strafrechtlichem Inhalt ihren Ursprung im Ausland haben. Gefordert wird daher unter anderem eine verstärkte Aus- und Weiterbildung von Kriminalbeamten und die Verpflichtung von Providern, relevante Daten zu erheben und zu verifizieren.

Mehr in Telepolis: Kampf gegen die Kinderpornografie. (Harald Neuber) / (fr)