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UN-Organisation will Fußgänger vor langsamen Elektroautos warnen

UN-Organisation will Fußgänger vor leisen Elektroautos warnen

Nissan entwickelt beispielsweise ein System, das Fußgänger und Radfahrer automatisch erkennen und sie warnen soll.

(Bild: Nissan)

Elektroautos machen insgesamt weniger Krach als Autos mit Verbrennungsmotoren. Insbesondere wenn sie langsam fahren, könnten sie für Fußgänger und Radfahrer gefährlich werden. Eine UN-Organisation empfiehlt nun ein akustisches Warnsystem.

Elektroautos sind im Straßenverkehr wesentlich geräuschärmer als ihre Vettern mit Verbrennungsmotoren. Besonders wenn sie langsam fahren, sind sie für Fußgänger und Radfahrer schwer akustisch auszumachen. Daher empfiehlt eine Arbeitsgruppe[1] der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) ein Warnsystem, das Geräusche ausgibt, sobald ein Elektro- oder Hybridauto mit 20 km/h oder weniger fährt.

Die WP.29 genannte Gruppe empfiehlt, dass das Warngeräusch[2] mit der Geschwindigkeit des Autos lauter werden soll. Für 10 km/h empfiehlt sie 50 dB und für 20 km/h 56 dB sowie 47 dB für rückwärtsfahrende Elektroautos. Die Lautstärke reiche auf der einen Seite aus, um andere Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen, auf der anderen Seite werde die Umwelt nicht allzu sehr belastet. Bei höheren Geschwindigkeiten reichten das Rollgeräusch der Reifen oder Windgeräusche aus, meinen die Experten.

Im herkömmlichen Straßenverkehr sind viele Fußgänger und Radfahrer in der Lage, herannahende Autos mitsamt ihrer Geschwindigkeit zu erkennen. Dabei können sie auch heraushören, ob es mehrere Autos sind und ob sie beschleunigen oder abbremsen. Besonders für blinde oder sehbehinderte Menschen stellten aber Elektroautos ein besonderes Risiko dar, sagen die UNECE-Experten. Studien hätten ergeben, dass Elektroautos insbesondere langsam fahrend wie zum Beispiel in Parkhäusern mit Fußgängern kollidieren und dass diese Art Unfälle in jüngster Zeit zunehme.

Mit dieser Regulierung soll eine Vereinbarung von 1958 zur Harmonisierung von Verkehrs- und Zulassungsregeln erweitert werden, die von 50 Staaten ratifiziert wurde – darunter auch Deutschland. Die Regeln sollen aber künftig nicht technischen Systemen im Wege stehen, mit denen beispielsweise Autos Fußgänger automatisch erkennen können. Im EU-geförderten Projekt Evader[3] wurde beispielsweise an einem Warnsystem gearbeitet.

(anw[7])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3132875

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.unece.org/fileadmin/DAM/trans/doc/2016/wp29/ECE-TRANS-WP29-2016-026e.pdf
[2] http://www.unece.org/fileadmin/DAM/for_PR_Silent_car__AVAS_sound.mp3
[3] https://www.heise.de/meldung/Projekt-Evader-Fussgaenger-sollen-vor-leisen-Elektroautos-gewarnt-werden-2786005.html
[4] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_1947408.html?back=3132875
[5] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_1947408.html?back=3132875
[6] https://www.heise.de/autos/artikel/Vorstellung-BMW-Concept-iX3-4029859.html
[7] mailto:anw@ct.de