US-Armee: Individuell angepasste Drohnen aus dem 3D-Drucker

Die US-Armee testet jährlich neue Techniken für ihre Einsätze. Für die nächste Experimentier-Veranstaltung im Frühjahr 2017 hat sie sich nun schon für Drohnen aus dem 3D-Drucker entschieden. Soldaten sollen die Technik auf Herz und Nieren prüfen.

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Soldaten während der Prüfung von neuer Drohnentechnik während der AEWE 2016

(Bild: AEWE Facebook )

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Die US-Armee wird bei ihrer nächsten jährlichen Veranstaltung Army Expeditionary Warrior Experiments (AEWE) auch ein System ausprobieren, mit dem sich Drohnen per 3D-Drucker kurzfristig für Aufträge drucken lassen. Während der AEWA sollen neue Produkte vor allem von Soldaten getestet werden, da sie die Endnutzer von neuen Techniken sind.

Durch die Tests durch Soldaten erhofft sich die US-Armee ein frühes Feedback und somit auch genügend Möglichkeiten, um Techniken an die Bedürfnisse des Armee-Alltags und ihre Mitarbeiter anzupassen oder um sich überhaupt für eine Technik zu entscheiden.

Im Januar wurde nun festgelegt, wer bei den AEWE 2017 teilnehmen darf. Die On-Demand-Drohnen würden die neuen, vorteilhaften Techniktrends – 3D-Druck und kleine unbemannte Flugobjekte wie Drohnen oder Modellflugzeuge (UAV) – zusammenführen. Diese vorteilhafte Kombination, die künftig möglich werde, habe man erkannt, erklärte Eric Spero, ein Teamleiter des U.S. Army Research Laboratory (ARL) und dessen Abteilung Fahrzeugtechnik, die nun teilnimmt.

Die Soldaten sollen die individuellen UAV-Komponenten während der Mission ausdrucken lassen können.

(Bild: U.S. Army Research Laboratory)

Spero stellte gegenüber militaryspot klar, dass es hauptsächlich nicht um die UAVs gehe, sondern vor allem "um die Möglichkeit, auf Zuruf Geräte designen und bauen zu können". Damit würde man es der US-Armee ermöglichen, die Vorteile der zunehmend besseren Fertigungstechniken zu nutzen.

In einer Diskussionsschrift erklärt Spero, wie er sich den Einsatz der Technik vorstellt. So könnten die Drohnen an aktuelle Situationen angepasst werden. Ausgestattet mit Sensoren und Kameras, könnten etwa geplante Angriffe aufgedeckt und Menschen oder bestimmte Orte ausfindig gemacht und identifiziert werden. Auch könnten Soldaten aus sicherer Entfernung die Waffen der Gegner ausspionieren und andere Daten sammeln.

So sollten die Soldaten vor einem Einsatz ausloten, welche Fähigkeiten ein UAV für die aktuelle Mission benötigen könnte. Mit der Software, die das ARL entwickelt hat, würde dann das UAV designed. Ein Teil des Flugobjektes würde im 3D-Drucker gefertigt – zum Beispiel die äußere Form –, während andere, standardisierte und vorproduzierte Teile von den Soldaten aus den Lagern geholt werden müssten, um diese dann mit den Bauteilen aus dem 3D-Drucker zu kombinieren. Das ARL kooperiert für die Entwicklung des Systems eng mit Partnern des Georgia Tech’s Aerospace Systems Design Lab.

Die Drohne wird aus bereits gekauften und individuell gefertigten Teilen zusammengestellt.

(Bild: U.S. Army Research Laboratory)

Das Baukastensystem mit bereits vorgefertigten Teilen und individuell angepassten Teilen aus dem 3D-Drucker soll laut Spero nicht nur besonders flexibel, sondern auch kostengünstig sein. Außerdem könne man auch der Obsoleszenz von Gütern vorbeugen. Anstatt eine große Zahl von bestimmten Bauteilen zu kaufen und zu nutzen, bis die nächste Charge gekauft wird – egal ob die Bauteile noch aktuell sind oder nicht – können mit dem Baukastensystem wesentlich einfacher neue Komponenten Einzug in den Armee-Alltag halten.

Die Software könne man relativ schnell auf neue Teile umschreiben und bliebe so tatsächlich auch beim Materialeinsatz so aktuell wie möglich. Zudem müssten an Einsatzorte nicht viele verschiedene spezialisierte Geräte geliefert und dort gelagert werden, sondern mit ein paar Einzelteilen könnten passgenaue Spezialgeräte entstehen.

Zwar seien die nächsten AEWE noch rund ein Jahr entfernt – sie sollen zwischen Januar und Februar 2017 in Fort Benning, Georgia, ausgerichtet werden – die Vorbereitung müsse aber schon jetzt anlaufen. Wie der Chef der ARL-Fahrzeugtechnik-Abteilung, Dr. Mark Valco, gegenüber militaryspot unterstrich, zeige man zunächst eine Möglichkeit, eine Idee bei den AEWE. Um die Idee tatsächlich irgendwann umzusetzen, müssten aber auch die Design-Tools und andere Techniken weiter entwickelt werden. Auch die Geschwindigkeit des 3D-Druckers müsse etwa erhöht werden. Um einen Prototyp vorstellen zu können, müsse man deshalb auch schon jetzt mit Ingenieuren und Forschern die Zusammenarbeit aufnehmen.

Bei den AEWE 2017 werden 50 verschiedene Produkte gezeigt – 14 aus der Entwicklung von Behörden, 36 von Herstellern aus der Industrie . Alle Förderer der 50 Teams werden nun im Laufe des Jahres 2016 in koordinierenden Gruppen ihre Arbeit aufnehmen, alle Verwaltungsfragen klären und auch die teilnehmenden Soldaten auf die Experimente vorbereiten. (kbe)