US-Aufklärungsdrohnen: Der Feind sieht mit

Der verstärkte Einsatz von UAVs in Krisengebieten wie dem Irak und Afghanistan hat für das US-Militär nicht nur Vorteile: Wie das Wall Street Journal berichtet, ist dem Pentagon schon seit geraumer Zeit bekannt, dass feindliche Kräfte den Datenverkehr zwischen Aufklärungsdrohnen und Bodenstationen abfangen.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

US-Aufklärungsdrohne vom Typ "MQ-1 Predator"

(Bild: Air Force)

Der verstärkte Einsatz von UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) in Krisengebieten wie dem Irak und Afghanistan hat für das US-Militär nicht nur Vorteile: Wie das Wall Street Journal (WSJ) am Donnerstag unter Berufung auf hochrangige Geheimdienstmitarbeiter im Verteidigungsministerium berichtet, ist dem Pentagon schon seit geraumer Zeit bekannt, dass feindliche Kräfte den Datenverkehr zwischen Aufklärungsdrohnen und Bodenstationen abfangen. Den Angaben zufolge wurden bereits mehrere Laptops sichergestellt, auf denen sich Videomaterial befand, das von US-Drohnen des Typs Predator aufgezeichnet wurde.

In einem Fall sollen Beweise gefunden worden sein, dass Aufständische "Stunden um Stunden, Tage um Tage" das zur Erde gefunkte Videomaterial mitgeschnitten und an andere "extremistische Gruppierungen" weitergegeben hätten. Ein namentlich nicht genannter Geheimdienstmitarbeiter des Verteidigungsministerium erklärte, das Abfangen von Videodaten gehöre im Irak inzwischen zum Standardrepertoire militanter Gruppen, die vom Iran ausgebildet und finanziell unterstützt würden. Ausgenutzt werde dabei, dass die zu den Bodenstationen gefunkten Live-Videodaten nicht verschlüsselt seien.

Gefunden wurde auf den sichergestellten Laptops unter anderem das Programm SkyGrabber, das vom russischen Unternehmen SkySoftware für rund 26 US-Dollar vertrieben wird. Mit SkyGrabber lassen sich Daten abfangen, die Nutzer von Internetverbindungen via Satellit downloaden. Dass das Programm auch für das Abfangen von Drohnen-Daten genutzt werden könne, sei nicht gewollt und auch nicht bekannt gewesen, teilte ein SkySoftware-Entwickler dem Wall Street Journal auf Anfrage mit. Das US-Militär versicherte unterdessen, dass bislang weder Soldaten noch Einsätze als Folge der Sicherheitslücke gefährdet gewesen seien.

Auch lägen keine Hinweise vor, dass militante Gruppen jemals die Kontrolle über eine US-Drohne erlangt hätten. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass der Gegner sich auf Grundlage des abgefangenen Datenmaterials darauf einstellen könne, welche Gebiete, Brücken oder Gebäude im Interesse der US-Streitkräfte stünden und dass dadurch der Überraschungseffekt bei Operationen wegfalle. Der für die UAV-Strategie der Air Force zuständige Generalleutnant David Deptula sagte, das Militär arbeite an der Beseitigung des Problems. Deptula fügte aber auch hinzu, dass die Übertragung von Daten per Funk immer Gegenstand von gegnerischen Abhör- und Auswertungsmaßnahmen sei. (dab) / (pmz)