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US-Autoren ziehen gegen Google Books in die Berufungsschlacht

Fünf Monate nachdem ein US-Gericht Googles Bücherdienst für legal erklärt hat, hat der US-Autorenverband Authors Guild Revision eingereicht. Neben dem Urheberrecht geht es diesmal auch um den Wettbewerb.

Gut 60 Seiten ist die jetzt veröffentlichte Berufungsbegründung lang, mit dem die US-Autorenvereinigung Authors Guild den Google-Dienst Books im zweiten Anlauf stoppen will. Der Internetriese scannt und digitalisiert damit Bücher und stellt Auszüge davon online. Die Autoren bemängeln dabei nach wie vor, dass Google die Rechteinhaber nicht um ihre Einwilligung ersucht und keine Kopiervergütung zahlt. Neben dem Urheberrecht führen sie in der Berufung aber auch Wettbewerbsverstöße ins Feld.

Blick in Google Books

(Bild: Screenshot)

Google habe Leser durch das Programm zur Massendigitalisierung aus bestehenden Online-Buchläden "vertrieben", lautet der neue Vorwurf. Zugleich profitiere das Unternehmen von erhöhtem Suchverkehr und damit verbundenen Werbeeinnahmen. Der Wettbewerb vor allem mit Konkurrenten wie Amazon, die sich für ihre eigenen Suchprojekte in Büchern um die Erlaubnis der Urheber bemüht hätten, leide unter dieser unlauteren Praxis massiv.

Der Autorenverband fordert unter anderem, dass Google für die Nutzung geschützter Werke bezahlt. Auch soll Google Bibliotheken nicht länger E-Books zur Verfügung stellen dürfen. Darüber hinaus solle der Konzern dafür sorgen, dass eingescannte Bücher nicht mehr ohne Weiteres verbreitet werden können. Die Autoren monieren, dass sich über mehrfache Anfragen aus den von der Google-Buchsuche gelieferten Testauszügen nahezu das ganze Werk zusammensetzen lasse. 78 Prozent eines Bands seien so bereits zugänglich.

Das New Yorker Bundesgericht hatte im November nach acht Jahren Verfahrensdauer befunden, dass Google Books durch das "Fair Use"-Prinzip im US-amerikanischen Copyright gedeckt sei. Dieses schränkt exklusive Verwertungsrechte zum Wohl der Allgemeinheit ein, indem es etwa erlaubt, Kopien für den privaten oder wissenschaftlichen Gebrauch zu erstellen oder zu zitieren. Dabei sind letztlich die Gerichte dafür zuständig, den genauen Bereich des "fairen" Gebrauchs geschützter Werke abzustecken.

Unterstützt wird die Berufung der Authors Guild von internationalen Urheberrechtsvertretern und Juristen. Deren Gerichtseingaben zeigten, dass auch "Fotografen, bildende Künstler, Liedtexter und Verleger aus der ganzen Welt" gegen Googles grenzenlose Ambitionen seien, erklärte die Verbandspräsidentin Roxana Robinson. Die massive Ausweitung der "Fair Use"-Doktrin drohe, die USA in einen "Schurkenstaat" zu verwandeln, der internationale Copyright-Regeln verletzte. (Stefan Krempl) / (vbr)

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