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US-Behörden wütend über Apples und Googles Datenschutz-Offensive

Vergangene Woche haben Apple und Google mehr Datenschutz für Mobilgeräte mit iOS und Android angekündigt. US-Strafverfolger sind deswegen alarmiert. Sie wollen auf ihre Zugriffsmöglichkeiten nicht verzichten.

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US-amerikanische Strafverfolgungsbehörden wollen es nicht hinnehmen, dass Apple und Google Daten auf Mobilgeräten besser schützen wollen. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen. Demnach seien sie alarmiert angesichts der Ankündigung von Apple, Behörden könnten sich ab iOS 8 keinen Zugriff mehr auf passwortgeschützte Daten verschaffen – auch wenn Apple Hilfe leisten muss. Einen Tag später hatte Google erklärt, die Verschlüsselung von Daten würde auf Geräten mit dem nächsten Android standardmäßig aktiviert. Mit diesen Schritten wird den Nutzern zwar kein völliger Schutz ihrer Daten versprochen, aber eine Verbesserung ist es allemal. Bislang hätten Behörden konfiszierte iPhones beispielsweise direkt an Apple schicken können, wo die gewünschten Daten extrahiert wurden.

Verschlüsselung als Behördenhorror

(Bild: dpa/heise online)

Mit dieser Offensive wenden sich zwei der größten IT-Konzerne der USA direkt an ihre Kunden, offenbar auch als Reaktion auf den Vertrauensverlust seit den Snowden-Enthüllungen im vergangenen Jahr. Wie die US-Zeitung deutlich macht, machen hier zwei der bekanntesten US-Unternehmen explizit Werbung mit dem Versprechen, ihre Telefonsysteme könnten auch nicht durch eine gerichtliche Anordnung geöffnet werden. Die Unternehmen hätten sich damit zur ersten Verteidigungslinie zwischen den Konsumenten und ihrer Regierung aufgeschwungen, formuliert es Brian Pascal von der Stanford University.

Strafverfolger seien von diesen Ankündigungen überrascht worden, schreibt das Wall Street Journal. Einige hätten sogar erklärt, das wären die bislang beunruhigendsten Folgen des abgekühlten Verhältnisses zwischen Regierung und Wirtschaft nach Beginn der Snowden-Enthüllungen. Ein Mitarbeiter des US-Justizministeriums meint, dieser Schritt mache es schwerer oder sogar unmöglich, manche Fälle zu lösen. Ein anderer habe erklärt, die Unternehmen würden ihren Kunden damit ein Haus oder einen Kofferraum versprechen, der nicht durchsucht werden könne. Nun würde intern darüber diskutiert, wie direkt sich die Strafverfolger jetzt mit Apple und Google anlegen wollen.

Andrew Weissmann, ehemaliger Chefjustiziar des FBI habe die Apples Ankündigung sogar als "ungeheuerlich" kritisiert. Denn nicht einmal eine richterliche Anordnung könne Apple dann noch dazu bringen, mögliche Beweise zu besorgen. Der Datenschutz, den Apple und Google versprechen, sei "wundervoll, bis es dein Kind ist, das entführt und missbraucht wird, weil uns die Technik daran hindert, zu ihm zu gelangen", warnt ein anderer ehemals hochrangiger FBI-Mitarbeiter.

Dabei bleiben die Überwachungsmöglichkeiten von US-Behörden auch dann immens, wenn Apple und Google ihre Versprechen halten. Deren Schutzmaßnahmen können außerdem umgangen werden, etwa wenn ein Verdächtiger gezwungen wird, seine Daten zu entschlüsseln oder weil der Zugriff auf Daten in der iCloud weiterhin möglich ist. Und die bislang enthüllte NSA-Überwachung findet vorwiegend außerhalb der Geräte statt, wäre also davon so gut wie nicht betroffen. Während das versprochene Plus an Datenschutz bei den Strafverfolgern also auf Unverständnis oder laute Kritik stößt, warnen Bürgerrechtler deswegen vor zu hohen Erwartungen. Für "Big Brother", also NSA und Co. sei das kein großes Problem, meint Christopher Soghoian von der ACLU (American Civil Liberties Union). Stattdessen dürfte es eher zum Hindernis für den "Little Brother" werden, also bundesstaatliche oder lokale Strafverfolger. (mho)

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