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US-Börsenaufsicht setzt mit Spam beworbene Firmen vom Handel aus

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Die US-Börsenaufsicht (SEC) hat am gestrigen Donnerstag 35 Unternehmen vorläufig vom Wertpapierhandel ausgeschlossen, deren Anteilsscheine wiederholt mit Spam-Kampagnen beworben worden waren. Die SEC äußerte Zweifel, ob die von den Unternehmen veröffentlichten Informationen zutreffend und ausreichend sind. Der Ausschluss gilt zunächst für zehn Handelstage (bis 21. März) und ist Teil einer größer angelegten Aktion namens "Operation Spamalot", mit dem die Börsenaufsicht Investoren vor fragwürdigen Börsentipps per Massen-E-Mail beschützen will. Die SEC schätzt das Aufkommen des Aktien-Spams auf rund 100 Millionen Nachrichten pro Woche.

Die auf diese Art beworbenen Wertpapiere kleiner und nicht selten obskurer Unternehmen werden nicht auf dem Parkett gehandelt, sondern auf außerbörslichen Marktplätzen wie den Pink Sheets, die ihren Namen von der Farbe des Papiers haben, auf dem die Anteile früher gehandelt wurden. Als Pennystocks dümpeln diese Papiere nicht selten bei wenigen US-Cent. Eine mehrtägige Spamkampagne kann das Handelsvolumen und den Kurs eines solchen Unternehmens massiv wachsen lassen. Der über die Spam-Mails generierte Hype sorgt dann für ordentliche Kursanstiege und Nachzügler, die noch auf den Zug aufspringen wollen. Wenn die Initiatoren der Spamwelle ihre vorher für einige Cents erstandenen Anteile dann auf den Markt schmeißen, bricht der Kurs wieder auf das ursprüngliche Level ein. "Pump and dump" nennen die Händler dieses Verfahren.

Die Dummen sind dann leichtgläubige und unerfahrene Investoren. "Wenn Spam unsere Mailboxen verstopft, ist das nervend. Aber wenn sie Investoren abziehen, ist es illegal und zerstörerisch", erklärte der SEC-Chef Christopher Cox. "Die heutigen Handelssperren und kommende Maßnahmen sind eine klare Nachricht an die Spammer: Die SEC wird sie zur Verantwortung ziehen". Alle 35 vom Handel ausgeschlossenen Unternehmen werden in den Pink Sheets gehandelt. Darunter finden sich zahlreiche alte Bekannte aus dem Junk-Ordner, wie Goldmark Industries oder Apparel Manufacturing Associates (APPM). Der Kurs von APPM war nach einer viertägigen Spamkampagne im Dezember und einem sprunghaft angestiegenen Handelsvolumen auf mehr als das Sechsfache seiner ursprünglichen Notierung gestiegen.

Mit solchen Kursmanipulationen lässt sich richtig Geld verdienen. Die SEC hatte am vergangenen Mittwoch per einstweiliger Verfügung erwirkt, dass mit Kursmanipulationen ergaunerte Gelder auf einem Konto in Lettland eingefroren werden. Die Verdächtigen sollen mindestens 732.000 US-Dollar mit einem Pump-and-Dump-Betrug verdient und einen Schaden von über 2 Millionen US-Dollar bei US-Brokern verursacht haben. In diesem Fall haben die Verdächtigen den Markt allerdings nicht mit Spam-Mails künstlich aufgepumpt. Stattdessen sind sie in Kunden-Accounts bei sieben Online-Brokern eingedrungen und haben die Kurse mit Transaktionen über die gehackten Konten aufgeblasen. (vbr)