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US-Carrier vernetzen sich mit Kuba

Nachdem Sprint einen Roamingvertrag mit dem staatlichen Netzbetreiber auf Kuba geschlossen hatte, konnte nun Verizon eine Einigung erzielen: Es wird direkte Telefonverbindungen geben. Und Mittwoch soll das erste Postflugzeug abheben.

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Raúl Castro und Barack Obama

Der kubanische Staatschef Raúl Castro und sein US-Kollege Barack Obama trafen einander im April 2015 in Panama.

(Bild: Amanda Lucidon, Weißes Haus (gemeinfrei))

US-Netzbetreiber verhandeln mit dem staatlichen kubanischen Netzbetreiber Etecsa oder haben bereits Verträge abgeschlossen. Das politische Tauwetter zwischen den USA und Kuba ermöglicht neue wirtschaftliche Beziehungen. Zahlreiche Branchen wittern einen neuen Markt.

Das durchschnittliche Einkommen auf Kuba liegt unter einem Euro pro Tag.

Der Mobilfunker Sprint konnte bereits im Herbst ein Roamingabkommen mit Etecsa unterzeichnen. Nun hat Etecsa mit dem US-Netzbetreiber Verizon die direkte Schaltung von Telefonverbindungen vereinbart. Vor der Aktivierung der direkten Anrufe müssen aber noch technische Tests absolviert werden. Bislang laufen die Verbindungen über zwischengeschaltete Dritte. Die aktuelle Entwicklung gibt Anlass zur Hoffnung, dass die derzeit drastischen Gebühren für Telefonate nach Kuba bald sinken werden.

US-Medien berichten, dass auch AT&T mit Etecsa Verhandlungen über ein Mobilfunkabkommen führt. Kommende Woche will US-Präsident Barack Obama Kuba einen historischen Besuch abstatten. Bis dahin möchte AT&T einen Vertrag vorweisen können.

In einigen Monaten soll es normale, direkte Linienflüge zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba geben. Bis zu 110 Flüge pro Tag haben die beiden Regierungen vereinbart. Nun müssen noch die Lizenzen für die interessierten Fluglinien genehmigt werden, dann kann es losgehen. Gleichzeitig drängen US-Hotelketten auf die Insel.

Die kubanische Post feiert ihren 260. Geburtstag.

(Bild: Correos de Cuba)

Auch ein regulärer, direkter Postverkehr ist geplant. Weil es den seit fünf Jahrzehnten nicht mehr gibt, sollen die notwendigen Abläufe in einem Pilotbetrieb erarbeitet werden. Dafür soll einem kubanischen Bericht zu Folge am Mittwoch das erste Postflugzeug zwischen den beiden Ländern starten.

Am Montag wurde in der kubanischen Hauptstadt Havanna mit der 16. Informática Habana eine IT-Konferenz und -Messe eröffnet. Laut der staatlichen kubanischen Zeitung Granma gibt es 73 Stände mit insgesamt 300 Ausstellern. 39 der 73 Stände werden von ausländischen Unternehmen betrieben.

Dmitrij M. Alhazov, Vizeminister für Telekommunikation und Massenmedien der Russischen Föderation

(Bild:  Minkomsvyaz CC-BY3.0 )

Zur Eröffnung waren neben kubanischen Würdenträgern der stellvertretende Generalsekretär der Internationalen Fernmeldeunion Malcolm Johnson sowie der stellvertretende russische Telekommunikationsminister Dmitrij Alhazov angereist. Die drei wichtigsten Sponsoren der Informática sind Unternehmen aus der Volksrepublik China.

Ende Januar hatte die US-Regierung einige Kuba betreffende Exportverbote aufgehoben. Die Aufhebung der Beschränkungen im Telekommunikationsbereich erleichtert es, Sicherheitstechniken wie TOR und PGP auf Kuba einzusetzen. Auch Ausrüstung für die Luftverkehrssicherheit darf nun auf die Insel verkauft werden. Das ist nicht zuletzt für die US-Fluglinien von Bedeutung.

Allerdings ist der Spielraum der US-Regierung beschränkt. Viele Restriktionen und Verbote sind in Gesetzen verankert; diese zu ändern, obliegt dem US-Parlament. In den beiden dortigen Kammern gibt es eine republikanische Mehrheit, die sich Obamas Öffnungspolitik widersetzt. Die gegen die sozialistische Einparteienherrschaft auf Kuba gerichteten US-Gesetze dürften sich dieses Jahr also nicht ändern. (ds)

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