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US-Firmen geraten wegen Umdatierungen bei Aktienoptionen zunehmend unter Druck

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Die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde Security and Exchange Commission (SEC) nimmt derzeit über 80 Unternehmen in den USA unter die Lupe, denen Manipulationen bei der Ausübung von Aktienoptionen vorgeworfen werden. Aktienoptionen sind ein gängiges Mittel nicht nur US-amerikanischer Unternehmen, ihren Mitarbeitern Sondervergütungen zukommen zu lassen. Wird auf einen Termin kurz vor Anstieg des Aktienkurses rückdatiert, kann der Wert einer Aktienoption beträchtlich steigen. Diese Praxis ist jedoch nicht uneingeschränkt mit US-Recht vereinbar. Da sie zudem die Bilanz eines Unternehmens verfälschen kann, verfolgt die SEC derartige Vergehen.

Im Juli wurde der ehemalige CEO des Speichernetzwerkspezialisten Brocade unter entsprechenden Vorwürfen angeklagt. Ähnliche Verfahren drohen allen Firmen, bei denen die SEC Untersuchungen eingeleitet hat. Sollte sich im Einzelfall die falsche Datierung von Aktienoptionen nachweisen lassen, müssen die betroffenen Unternehmen zumindest ihre Bilanzen korrigieren.

Die laufenden Verfahren haben nun zahlreiche Firmen wie etwa Rambus veranlasst, nur vorläufige Quartalszahlen zu veröffentlichen. Der Chiptechnik-Entwickler beispielsweise wird auch den von der SEC vorgegebenen späteren Termin für die Veröffentlichung der Geschäftszahlen des zweiten Quartals am 14. August nicht einhalten können. Rambus rechnet damit, für die Jahre 2003 bis 2005 maßgebliche zusätzliche Belastungen ausweisen zu müssen.

Der Netzwerkausrüster Juniper Networks zählt zu den größten betroffenen Unternehmen. Juniper erwartet in Kürze die Androhung der SEC, die Aktien vom Börsenhandel auszuschließen, wenn die korrigierten Bilanzen nicht binnen der nächsten vier bis sechs Monate vorgelegt werden. Wie Rambus hatte auch der Netzwerkausrüster im abgelaufenen Quartal nur vorläufige Zahlen veröffentlicht.

Apple Computer musste der SEC ebenfalls mitteilen, dass die geforderten Quartalszahlen wegen der laufenden Untersuchungen nicht fristgerecht vorgelegt werden können. Anders als Rambus kann der Computerhersteller aber noch keine Einschätzung abgeben, in welchem Umfang die Korrekturen sich auf Umsatz und Ergebnis auswirken könnten – es stehe nicht einmal fest, welche Berichtszeiträume überhaupt betroffen sind.

Unter den bei der SEC ins Visier geratenen Firmen finden sich zahlreiche Vertreter aus der IT-Branche, darunter beispielsweise Nvidia, Take Two und Monster Worldwide. McAfee und Netzwerkspezialist Vitesse haben wegen der Vorwürfe bereits führende Mitarbeiter entlassen. (map)