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US-Geheimdienstbericht: Cyborgs bis 2030 Realität

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Die Cyborgs kommen – und zwar schon bald. Diese Einschätzung teilen nicht mehr nur Science-Fiction-Autoren, sondern inzwischen auch Berater der US-Regierung aus Wissenschaft und Wirtschaft. So prophezeit der Nationale Geheimdienstrat der USA in seinem Bericht zu "Globalen Trends 2030", dass binnen der nächsten 20 Jahre "Gehirn-Maschinen-Schnittstellen" für "supermenschliche" Fähigkeiten sorgen dürften. Sie könnten nach Ansicht der Experten etwa die Kraft und die Schnelligkeit von Menschen erhöhen und bislang unbekannte Funktionen verfügbar machen. In dem Report heißt es weiter: "Personen können sich dafür entscheiden, ihre physikalischen Gegebenheiten so zu erweitern, wie sie es heute mit der Schönheitschirurgie tun."

Augenimplantate könnten etwa die Nachtsichtfähigkeit von Menschen deutlich verbessern, neuronale Erweiterungen das Gedächtnis oder die Geschwindigkeit des Denkens, führt der Trendbericht aus. Neuro-Pharmazeutika würden es den Sterblichen erlauben, ihre Konzentration für längere Zeit aufrechtzuerhalten oder ihre Lernfähigkeiten zu fördern. "Augmented Reality"-Systeme sorgten für "gesteigerte Erlebnisse von Situationen in der realen Welt". Kombiniert mit den Fortschritten in der Robotik könnten Avatare Rückmeldungen über Sensoren geben und dabei Berührungen oder Gerüche genauso an den "Operator" weiterleiten wie Hör- oder Sehinformationen.

Seit 1997 veröffentlicht der National Intelligence Council (NIC) ca. alle vier Jahre seinen Trendbericht, um der US-Regierung und der Allgemeinheit strategische Entscheidungen anhand unterschiedlicher Szenarien zu erleichtern. Der Beirat gehört zum Büro des Leiters der 17 US-Geheimdienste, dem Director of National Intelligence (DNI). Der aktuelle, 140 Seiten starke Ausblick trägt den Titel "Alternative Welten".

Allgemein zählt der Report eine Verringerung der Armut und das Hochkommen einer globalen Mittelklasse zu den Megatrends. Neue Gesundheitstechniken hülfen den Menschen, länger zu leben. Es seien aber "technologische Durchbrüche" nötig, um den Bedarf der von 7,1 auf 8,3 Milliarden anwachsenden Weltbevölkerung an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Im Bereich IT und Internet legen die Sachverständigen einen Fokus auf Lösungen für das Speichern und Verarbeiten großer Datenmengen, "Smart Cities" und soziale Netzwerke.

In diesem Zusammenhang allein erwähnen sie auch die Zukunft der Privatsphäre: Aus den komplexen Abwägungen, die Nutzer zwischen dem Datenschutz und der Nützlichkeit solcher virtueller Gemeinschaften machen müssten, ergeben sich ihrer Ansicht nach große Unsicherheiten für die weitere Entwicklung von Facebook, Google+ und Co. Bisher hätten sich die Mitglieder dabei in überwältigender Mehrzahl gegen ihre Privatheit entschieden. Künftige Vorkommnisse könnten aber dafür sorgen, dass viele ihre Präferenzen änderten und die sozialen Netzwerke der Informationen beraubten, die sie dringend benötigten, um relevant zu bleiben.

Der Westen und die USA verlieren den Auguren nach weiter an Bedeutung. China werde vermutlich die größte Volkswirtschaft sein und die Vereinigten Staaten eine Jahre vor 2030 in diesem Bereich überflügeln. Einige dunkle Wolken könnten die gesamte Entwicklung zudem trüben. Russland, Pakistan oder auch Nordkorea oder Iran sähen Atombomben verstärkt als Ausgleich für politische Schwächen, was ihren Einsatz wahrscheinlicher mache. Zudem wachse die Chance, dass nichtstaatliche Akteure zu Massenvernichtungswaffen griffen oder einen großen Cyberangriff durchführten.

Individuen mit Expertenwissen in "Nischenbereichen wie Cybersystemen" könnten ihre Dienste an den Meistbietenden einschließlich Terroristen verkaufen, heißt es in der Studie zu diesem Punkt weiter. Letzteren dürfte es dann weniger auf möglichst viele Tote, sondern auf das Unterbrechen von Wirtschafts- und Finanznetzen ankommen. Als unabwägbare Bedrohungen mit massiven Auswirkungen fasst der Report zudem neben schweren Pandemien Solarstürme ins Auge, die Satelliten, Stromversorgungsnetze und viele sensible elektronische Geräte unbrauchbar machen könnten. (jk)