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US-Gericht: Kryptogeld-Börse Coinbase soll Kundendaten offenlegen

Die US-Steuerbehörde IRS hat drei Fälle von Steuerhinterziehung mit Kryptogeld ausgemacht. Sie hat daraufhin von der Kryptogeld-Börse Coinbase die Daten aller ihrer US-Kunden gefordert – und damit Recht bekommen.

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Bitcoin

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Die in San Francisco beheimatete Kryptogeld-Börse Coinbase hat in einer Auseinandersetzung mit der US-Steuerbehörde IRS eine empfindliche Niederlage erlitten: Ein kalifornisches Bundesgericht gestand dem IRS zu, mit einem sogenannten "John Doe Summons“-Verfahren die Offenlegung der Kundendaten von Coinbase einfordern zu können. Betroffen wären davon alle US-Kunden, die zwischen 2013 und 2015 Transaktionen über Coinbase getätigt haben. Mit einem "John Doe Summon" kann der IRS Informationen über Gruppen von US-Steuerzahlen fordern, auch wenn ihm deren Identität noch nicht bekannt ist.

Der Pressemitteilung des US-Justizministeriums nach soll Coinbase die Identitäten der steuerpflichtigen US-Bürger offenlegen und Dokumente über ihre Transaktionen vorlegen. Der IRS hegt den Verdacht, Nutzer könnten Kryptogeld verwendet haben, um steuerpflichtiges Einkommen am Fiskus vorbeizuschmuggeln. Laut Gerichtsunterlagen hat die Behörde bereits drei Fälle von Steuerhinterziehung mit Kryptogeld aufdecken können. Zwei davon, jeweils Unternehmen mit Millionen-Umsatz, sollen Coinbase-Kunden gewesen sein.

Generell ist Kryptogeld wegen seiner Organisation als Peer-to-Peer-Netz für Behörden nur schwer in den Griff zu bekommen. Internationale Zahlungen können damit ohne Kontrollen getätigt werden. Auch wenn wie beim Bitcoin alle Transaktionen im dezentralen Kassenbuch der Blockchain öffentlich einsehbar sind, sind von den Nutzern erstmal nur pseudonyme Adressen bekannt, die praktisch in beliebiger Zahl generiert werden können. Ein zentraler und regulierter Tausch-Dienstleister wie Coinbase, bei dem sich Nutzer voll identifizieren müssen, macht es Behörden hingegen deutlich leichter – vor allem, wenn man die Daten gleich massenhaft anfordern kann.

Coinbase erklärte gegenüber dem Fachdienst Coindesk mit der Entscheidung gerechnet zu haben. Man wolle sie anfechten, sobald man die richterliche Anordnung erhalten habe, erklärte ein Sprecher der Börse. Bereits Mitte November betonten die Betreiber, dass man von Behördenseite keinerlei Vergehens beschuldigt werde. Das Ansinnen des IRS basiere lediglich auf pauschalen Behauptungen über Kryptogeld. Generell bemühe man sich um Kooperation mit Behörden, aber wegen des Umfangs und der Wahllosigkeit der Informationsanforderung sei man hochgradig besorgt und wolle nun für den Schutz seiner Nutzer kämpfen.

Das 2012 gegründete, inzwischen weltweit tätige Unternehmen Coinbase ist in den USA der größe Anbieter für den Tausch von Bitcoin in Dollar. Daneben bietet das Unternehmen eine Wallet-Anwendung und Debitkarten an. Eigenen Angaben nach nutzen global 4,9 Millionen Kunden diese Dienste, ein großer Teil davon dürfte auf die USA entfallen. (axk)