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US-Gericht macht Weg frei für Pentagon-Cloud Jedi mit Amazon oder Microsoft

Oracle ist mit einer Klage gescheitert, wonach das US-Verteidigungsministerium bei der Vorentscheidung für seine "Kriegscloud" voreingenommen gewesen sein soll.

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(Bild: Pete Linforth, gemeinfrei)

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Das Pentagon kann seinen zehn Milliarden US-Dollar schweren Großauftrag zum Bau eines Cloud-Computing-Systems in den kommenden Wochen plangemäß entweder an Amazon oder Microsoft vergeben. Der Court of Federal Claims der USA, der über Regressforderungen gegen die US-Regierung entscheidet, hat am Freitag dafür grünes Licht gegeben und eine Klage des früheren Mitbewerbers Oracle abgewiesen. Der Datenbankriese aus dem Silicon Valley hatte bei dem Vergabeverfahren einen Interessenskonflikt gewittert, wodurch insbesondere Amazon begünstigt worden sei.

Oracle habe nicht nachweisen können, dass auf der Gegenseite ein Vorurteil gegen die Kalifornier im Ausschreibeprozess für das Projekt Joint Enterprise Defense Infrastructure (Jedi) bestanden habe, schreibt Richter Eric Bruggink in seinem Urteil. Es habe kein "institutioneller Interessenskonflikt" existiert. Eine potenzielle Kollision mit persönlichen Belangen habe das Vergabeverfahren ebenfalls nicht beeinflusst. Die Entscheidung sei generell nicht in sich widersprüchlich, unberechenbar oder in sonstiger Weise rechtswidrig gewesen. Auch einen Missbrauch diskreter Informationen konnte Bruggink nicht feststellen.

Oracle hatte in dem Fall vor allem eine mögliche Einflussnahme des ehemaligen und jetzt erneuten Amazon-Mitarbeiters Deap Ubhi bei den Vergaberichtlinien vorgebracht. Dieser war zunächst bei dem E-Commerce-Giganten in der Cloud-Abteilung tätig, bevor er eine eigene Firma gründete und dann ins Pentagon wechselte. Dort soll er beim Jedi-Projekt und möglicherweise auch am Entwurf für die Vergabebedingungen mitgewirkt haben. Diese sehen unter anderem vor, dass die Cloud nur von einem einzelnen Unternehmen umgesetzt werden darf und höchsten Sicherheitsansprüchen genügen muss.

Laut Oracle waren diese Vorgaben genau auf Amazon zugeschnitten. Zusammen mit dem Konzern war auch IBM aus dem Rennen im April zwangsweise ausgeschieden, in dem es nun nur noch um AWS oder die Microsoft-Lösung Azure geht.

Bruggink folgte mit seinem Richterspruch mehr oder weniger dem Tenor einer internen Untersuchung des Verteidigungsressorts. Ubhi hatte demnach "keinen nachteiligen Einfluss auf die Integrität des Akquisitionsprozesses". Zu einem ähnlichen Schluss waren auch Prüfer des US-Rechnungshofs gekommen, dem Government Accountability Office (GAO). Zwischenzeitlich hatte aber das Pentagon selbst Hinweise auf mögliche "ethische Verstöße" des ehemaligen Angestellten Ubhi nicht ausschließen wollen, die Bruggink aber nicht erhärtet sah.

Amazon hatte sich der Klage Oracles selbst angeschlossen, um alle Verdachtsmomente aus dem Weg zu räumen. Man stehe nun bereit, um "mit unserer Partnergemeinde" die Mission des Pentagons zu unterstützen, "die Sicherheit unseres Landes zu schützen", hieß es beim Amazon-Cloud-Ableger AWS nach der Urteilsverkündung. Eine Oracle-Sprecherin erklärte, dass die "Cloud-Infrastruktur 2.0" des Unternehmens "signifikante Leistungs- und Sicherheitsvorsprünge" gegenüber angestammten einschlägigen Providern biete. Man freue sich darauf, mit dem Pentagon, den Sicherheitsbehörden und dem öffentlichen Sektor in anderen Projekten zusammenzuarbeiten.

Im Kongress gibt es aber noch Widerstand gegen eine Vergabe des Projekts an Amazon. Der Senator Marco Rubio etwa hatte am Donnerstag noch einen Brandbrief an US-Präsident Donald Trump und seinen nationalen Sicherheitsberater John Bolton geschickt. Darin fordert der Republikaner das Weiße Haus auf, die Vertragsunterzeichnung aufgrund von Bedenken rund um die Fairness des Verfahrens zumindest zu verschieben. Google hatte sich wegen selbst auferlegter ethischer Regeln schon frühzeitig nach Protesten von Mitarbeitern dazu entschieden, kein Gebot auf Jedi abzugeben. Bei Amazon und Microsoft verhallten ähnliche interne Unmutsäußerungen weitgehend ungehört. (bme)