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US-Gericht spricht MySpace 230 Millionen Dollar Spam-Entschädigung zu

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Die zur News Corporation gehörende Social-Networking-Plattform MySpace hat eigenen Angaben zufolge die höchste Entschädigungssumme zugesprochen bekommen, die je von einem Gericht als Strafe gegen Versender von unerwünschten Werbemails verhängt wurde. Der Sicherheitsmanager des Portals, Hemanshu Nigam, erklärte gegenüber US-Medien, Richterin Audrey B. Collins vom US District Court in the Central District of California, habe zwei Spammer, die sich per Password-Phishing unberechtigten Zugang zu MySpace-Konten verschafft und unter deren Namen Spam-Nachrichten an andere MySpace-Mitglieder verschickt hatten, zur Zahlung von insgesamt 230 Millionen US-Dollar (148 Millionen Euro) verurteilt.

MySpace hatte im vergangenen Jahr Klagen gegen den selbsternannten "King of Spam" und Spyware-Verbreiter Sanford Wallace sowie den früher ebenfalls wegen Spyware-Delikten aufgefallenen Walter Rines eingereicht, weil diese MySpace-Konten unter ihre Kontrolle gebracht und für das Versenden von Spam genutzt hatten. Nachdem das Gericht Sanford Wallace im Sommer vergangenen Jahres zunächst per einstweiliger Verfügung alle weiteren Aktivitäten auf MySpace untersagt hatte, sollten die Vorwürfe anschließend im Hauptsacheverfahren behandelt werden. Doch Wallace glänzte dort durch Abwesenheit und folgte auch den Anordnungen des Gerichts nicht, Unterlagen einzureichen und eidesstattliche Versicherungen abzugeben. Richterin Collins sprach daraufhin im April 2008 ein Säumnisurteil gegen Wallace.

Mit dem Säumnisurteil erkannte das Gericht sämtliche Forderungen von MySpace an, deren Umfang jetzt öffentlich wurde: MySpace machte 157,4 Millionen US-Dollar gegen Wallace und seinen Partner Rines geltend, weil diese gemeinsam hundertausende Spam-Mails über MySpace-Konten verschickt hatten. Nach dem CAN-SPAM Act (Controlling the Assault of Non-Solicited Pornography and Marketing Act) können pro widerrechtlich verschickter Mail bis zu 300 US-Dollar Strafe verhängt werden. Darüber hinaus verlangt MySpace zusätzlich 63,4 Millionen Dollar von Rines, weil dieser in eigener Regie ebenfalls Spam-Mails mit Werbung für Seiten mit teilweise pornografischen Inhalten verschickt hatte.

Auch müssen beide zusammen 1,5 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen kalifornische Anti-Phishing-Bestimmungen zahlen und Anwaltskosten der Gegenseite in Höhe von 4,7 Millionen Dollar übernehmen. Laut MySpace kann das Unternehmen zudem 3 Millionen Dollar gegen beide wegen weiterer Verstöße gegen den CAN-SPAM Act geltend machen. Insgesamt belaufen sich die Forderungen gegenüber Wallace und Rines damit auf 230 Millionen US-Dollar. MySpace-Anwalt Ian Ballon äußerte sich am heutigen Mittwoch gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg erfreut über die Entscheidung. Man erhoffe sich von dem Urteil eine abschreckende Wirkung, sagte Ballon. (pmz)

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