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US-Gesetz über Whois-Daten angedroht

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Wenn Registrare, Registries und die Internet Corporation for Assigned Names and Number (ICANN) künftig nicht für die Verifizierung von Whois-Daten für Internet-Domains sorgen, will der US-Kongress dies möglicherweise durch ein Gesetz regeln. Das kündigte der Abgeordnete Howard Berman bei der Jahrestagung der ICANN in Marina del Rey an. "Die Angelegenheit ist zu kritisch, als dass wir das einfach so laufen lassen könnten," sagte Berman. Berman verwies dabei auf Aussagen des US-Justizministeriums, denen zufolge angeblich ein Großteil der 20 Milliarden US-Dollar, die US-Unternehmen im vergangenen Jahr durch Urheber- und Patentrechtsverletzungen verloren haben, in die Taschen von Terroristen wandern. Namentlich nannte der Kongressabgeordnete die Hisbollah, die IRA und die Al Qaeda.

Berman sagte, Urheber-, Marken- und Patentrechte seien auf verschiedenste Weise eng mit der nationalen Sicherheit verknüpft. Die Verifizierung der Whois-Daten in den Datenbanken von Domaininhabern könnte dazu dienen, Terroristen aufzufinden, so Berman. Leider hätten die Registrare und auch ICANN sich bisher offensichtlich nicht ausreichend darum bemüht, die Whois-Daten besser zu verifizieren. Bereits im Frühjahr war das Problem falscher Angaben in den Whois-Datenbanken Thema einer Anhörung im Kongress. Berman lobte die Pläne von Registry.pro, das für Adressen in der neuen Domain .pro strenge Bestimmungen für die Verifizierung der Kunden vorsieht. "Ich hätte gerne, dass alle Top Level Domains solche Checks in ihre Systeme implementieren."

ICANNs Politikstratege Andrew McLaughlin wies Berman auf die Bestimmungen in den Verträgen der Organisation mit den Registraren hin, die die Unternehmen verpflichten, Hinweisen auf offensichtlich falsche Whois-Daten nachzugehen. Mit dieser Regelung sei man bisher gut gefahren. Schärfere Bestimmungen könnten das System überfordern. Esther Dyson verwies darauf, dass ICANN eine internationale Organisation ist und daher nur beschränkt nationaler Gesetzgebung unterworfen werden könne.

Unterschiedliche Datenschutzbestimmungen machen es auch für das von der ICANN bereits im vergangenen Jahr eingesetzte Whois-Komitee schwer, zu einem gangbaren Konsens über so genannte "Best Practices" zu gelangen. Die ehemalige ICANN-Chefin Dyson kritisierte außerdem, dass in der aktuellen politischen Debatte und den Gesetzen wie der nicht unumstrittenen "Patriotic Bill" Raubkopierer und Terroristen praktisch gleichgesetzt würden. "Mir kommt es inzwischen vor, als ob ich einen Teil meiner bürgerlichen Rechte aufgeben muss, wenn ich ins Internet will", sagte auch ICANN-Direktor Karl Auerbach nach der Rede des Abgeordneten. Seiner Meinung nach behindert das weit gehende US-amerikanische Markenrecht zunehmend die Produktion von Kreativen und Softwareentwicklern. Kritiker warnen außerdem davor, das Mandat der ICANN in den Bereich Intellectual Property auszudehnen.

Sicherheit des DNS ist das Hauptthema der diesjährigen ICANN-Tagung. Zwei volle Tage widmet die Organisation den Diskussionen um die Sicherheit des zentralen Root-Nameserver-Sytems und des Registrargeschäftes. Ob die geplante Vergabe des L-Root-Servers in ein anderes Land nach dem 11. September noch die Zustimmung des US-Department of Commerce findet, das immer noch die Oberaufsicht inne hat, ist allerdings noch unklar. Bisher sind mehr als zwei Drittel der zentralen Root-Server in den USA. Um die zentralen Rootserver macht sich allerdings niemand wirklich Sorgen, wurde das System doch eigens dafür konzipiert, bei einem Ausfall die entstehende Lücke sofort zu schließen. Manche Konferenzbesucher kritiseren daher das Sicherheitsthema als Überreaktion nach den Anschlägen vom 11. September. "Wirklich wirkungsvoll wäre doch eher die Sabotage wichtiger Kabelstrecken", sagte John Brown, CEO von Chagris Technologies. (Monika Ermert) / (jk)