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US-Handelsministerium verlängert Vertrag mit ICANN

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Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) darf weiter "regieren". Trotz massiver Kritik gerade auch aus dem US-amerikanischen Kongress und Senat, die mehrfach Anhörungen über die Netzverwaltung veranstaltet hatten, gab die dem Handelsministerium unterstellte National Telecommunication and Information Administration (NTIA) der ICANN grünes Licht für drei weitere Jahre.

Die Länge des Vertragsdauer ist überraschend, nachdem ICANN in den vergangenen drei Jahren jeweils nur Jahresverträge bekommen hatte. Der Zeitpunkt für die Ankündigung kommt für ICANN aber gerade recht, denn die von den USA ins Leben gerufene Netzverwaltung ringt in Genf beim Weltgipfel der Informationsgesellschaft um Anerkennung. Dort liegt mindestens ein Vorschlag vor, der das Management von Namen, Nummern und Adressen in die Hand einer internationalen Regierungsorganisation legen will. "Es sind vor allem Länder aus Asien und Afrika, die eine Verstaatlichung der Netzverwaltung favorisieren," sagte Jeanette Hofmann, Mitglied der deutschen Delegation bei der WSIS.

Mit dem neuen Memorandum of Understanding, das ICANN-CEO Paul Twomey Regierungsvertretern in Genf präsentierte, soll laut Twomey die letzte Phase des Übergangs eingeläutet werden. "Die Laufzeit von drei Jahren soll uns die Zeit geben, die wir brauchen, um alle Voraussetzungen für die Privatisierung schaffen", sagte Twomey gegenüber heise Online. Statt weiterhin jährlich Verträge auszuhandeln, habe man sich mit dem Handelsministerium auf die notwendige Frist für den Prozess geeinigt. "Das Ministerium und ICANN sind beide bemüht den Privatisierungsprozess der DNS-Verwaltung abzuschließen" heißt es in einem zusätzlichen Schreiben der NTIA.

Twomey zeigte sich zuversichtlich, dass ICANN bis 30. September 2006 alle notwendigen Hausaufgaben erledigt hat. Darunter sind so schwierige wie die vertragliche Bindung der Regional Internet Registries und auch der Operator der 13 Root Server an die Organisation. Twomey selbst nannte auch die Einführung neuer TLDs ein schwieriges Thema. ICANN muss dafür laut neuem Vertrag bis Ende 2004 eine Langzeit-Politik etabliert haben. Auch für andere Aufgaben hat die NTIA exakte Fristen gesetzt: Bis Ende des Jahres muss Twomeys Mannschaft einen Masterplan entwerfen, der die langfristige Strategie und auch Finanzierung der Organisation beinhaltet, bis März 2004 muss man einen Bericht zu Zahlen und Problemen mit dem Whois liefern. Über das Whois soll künftig jährlich Bericht erstattet werden.

All diese Informationen habe er in Genf den Regierungsvertretern unterbreitet, sagte Twomey. Doch gleich wie die Diskussion dort ausgeht, die Netzverwaltung rechnet auf jeden Fall mit wachsendem Regierungseinfluß. Auch die Privatisierungsankündigung aus Washington wird ICANN davor nicht bewahren. Twomey stellt sich daher schon jetzt auf ein Private-Public-Partnership Modell ein. (Monika Ermert) / (wst)