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US-Heimatschutz lässt illegale IMSI-Catcher unbehelligt

Natürlich wird auch in Washington, D.C., heftig spioniert, unter anderem mit IMSI-Catchern. Doch die zuständige Abteilung des Ministeriums für Heimatschutz tut nichts dagegen. Es hat nicht einmal die notwendige Ausrüstung beschafft.

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Skultpuren der 3 weisen Affen auf einer Bank

(Bild: NLPD CC BY-SA 3.0)

Spione treiben auch in Washington, D.C., ihr Unwesen. Gerne setzen sie dabei illegal IMSI-Catcher ein. Mit diesen Überwachungsgeräten können beliebige Mobiltelefone erfasst, verfolgt und oft auch abgehört werden. Unter Umständen können sogar Verbindungen aufgebaut und einem ahnunglosen Opfer untergeschoben werden. Das ist keine große Überraschung und auch dem US-Ministerium für Heimatschutz (DHS) bewusst. Überraschend ist dessen Reaktion: Es unternimmt nichts.

Mast mit Mobilfunk- und Richtfunkantennen. Die legale Frequenznutzung kann durch IMSI-Catcher beeinträchtigt werden.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Selbst für diese Mitteilung hat das Ministerium mehr als vier Monate gebraucht. Das geht aus zwei Dokumenten des DHS vom 26. März hervor, mit dem es auf Fragen von US-Senator Ron Wyden vom 17. November des Vorjahres reagiert. "Der Einsatz von IMSI-Catchern durch böswillige Angreifer, um Mobilfunk-Nutzer zu verfolgen und zu überwachen, ist rechtswidrig und bedroht die Kommunikationssicherheit, was zu Risiken für Sicherheit, Wirtschaft und Privatsphäre führt", bestätigt das DHS zunächst die Bedeutung des Problems. Die zuständige Abteilung NPPD (National Protection and Programs Directorate) "glaubt, dass der böswillige Gebrauch von IMSI-Carchern ein echtes und zunehmendes Risiko darstellt."

Tatsächlich habe es "abnormale Aktivität in der Hauptstadtregion [und anderswo] beobachtet", die auf IMSI-Catcher hinweist. Doch erstaunlicherweise belässt es die Sicherheitsbehörde dabei, andere Bundesbehörden zu informieren sowie "abzuschätzen", welche Bedrohungen sich dadurch ergeben und welche Linderungsmöglichkeiten es geben könnte.

Wirksame Maßnahmen ergreift das DHS den eigenen Angaben zufolge keine: "NPPD weiß von keinen gegenwärtigen technischen Möglichkeiten des DHS, IMSI-Catcher aufzuspüren. Um solche Fähigkeiten zu unterstützen, bräuchte das DHS Mittel [für Beschaffung und Betrieb von Hardware, Software und den Einsatz von Mitarbeitern]."

Dabei wäre es durchaus möglich, aktive IMSI-Catcher zu entdecken und in der Folge zu orten. Das geht einerseits mit speziellen mobilen Geräten, etwa dem CryptoPhone des Berliner Anbieters GSMK. Damit haben Journalisten des öffentlichen kanadischen Rundfunks CBC im letzten Jahr ein Netz von IMSI-Catchern in der Hauptstadt Ottawa sowie am internationalen Flughafen Montreals (YUL) nachgewiesen.

Andererseits könnte das DHS ein Netz von Sensoren in der US-Hauptstadt auslegen, das IMSI-Catcher rasch melden würde. GSMK bietet auch das an, in den USA über den Vertriebspartner ESD. Einmal auffällig gewordene IMSI-Catcher könnten dann genau geortet und beschlagnahmt werden, allein schon wegen des Verstoßes gegen das Frequenzrecht.

Warum der US-Heimatschutz kein Interesse an der Abwehr von IMSI-Catchern fremder Spione und anderer organisierter Verbrecher hat, bleibt rätselhaft. Am Geld sollte es nicht scheitern: Das DHS verfügte im Finanzjahr 2018 über ein Budget von 44,1 Milliarden US-Dollar, im laufenden Finanzjahr 2019 sind es sogar 47,5 Milliarden Dollar.

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