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Telepolis

US-Kirchen nutzen "Halo 3" zur Missionierung von Jugendlichen

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Das Computerspiel Halo 3 für die Xbox 360 von Microsoft ist ein Kassenschlager. Schon kurz nach dem Verkaufsstart erzielte das Unternehmen damit einen Umsatz von 300 Millionen US-Dollar. Es ist auf dem Weg, zu einem der bestverkauften Computerspiele zu werden. Bei dem Ego-Shooter kämpft der Spieler gegen Außerirdische, die die Erde aus religiösen Gründen vernichten wollen.

Wie die New York Times berichtet, versuchen nun zahlreiche protestantische Kirchen und kirchliche Jugendzentren in den USA, mit dem attraktiven Ballerspiel und seinem religiös-apokalyptischem Szenario Jugendliche zu sich zu locken. Das Spiel ist in den USA ab 17 Jahre freigegeben und als "M" (für Erwachsene) eingestuft. In Deutschland ist es von der USK ab 18 Jahre freigegeben. Selbst in evangelikalen Kirchen, die ansonsten vor Computerspielen mit Gewaltinhalten warnen, werden Halo-Nächte angeboten und Konsolen mit großen Bildschirmen aufgebaut. Dabei sollen mitunter auch Kinder ab 12 Jahren in den Kirchen fröhlich vor sich hinballern.

Screenshot aus Halo 3. Bild: Microsoft

Die Kirchen rechtfertigen den Einsatz des Lockmittels damit, dass sie so die Jugendlichen anziehen können, die zunehmend der Religion fernbleiben. Seien sie erst einmal in der Kirche, könne man ihnen nach dem Spiel religiöse Inhalte vermitteln. Einer der Jugendpfarrer schrieb den Eltern über diese Art der Missionierung mit "Killerspielen": "Wir wollen es den Kindern schwer machen, in die Hölle zu kommen." Typisch auch die Erklärung David Drexlers von der Country Bible Church in Ashby, Minnesota. Die Rekrutierung mit Halo 3 habe sich bislang am effektivsten erwiesen: "Wir müssen etwas finden, an dem die Jugendlichen interessiert sind und das nichts mit Drogen, Alkohol oder vorehelichem Sex zu tun hat." Mit dem Xbox-Center und anderen Angeboten in der Kirche biete man den Jugendlichen eine sichere Umgebung und Schutz vor dem Bösen. Der Jugendpfarrer der Colorado Community Church schrieb an die Eltern, um sie vom neuen Missionierungsmittel zu überzeugen, dass Gott die Geistlichen als "Menschenfischer" bezeichnet habe: "Teens sind unsere Fische. Daher sind wir kreativ darin geworden, unsere Haken mit den richtigen Ködern auszustatten."

Die Strategie zieht aber auch zunehmend Kritik von Eltern und Geistlichen auf sich, weil die Kirchen damit die Alterseinstufung untergraben und Christentum mit der Lust am (virtuellen) Töten assoziieren. "Wenn man an männliche Teenager herankommen und sie in die Kirchen locken will, könnte man dies auch mit kostenlosem Alkohol und Pornofilmen machen", moniert etwa James Tonkowich, der Präsident des Institute on Religion and Democracy. "Meine Haltung ist, dass man das besser machen kann." (fr)