US-Kommunen bauen vermaschte WLAN-Netze auf

Cisco errichtet Meshed Networks aus Funkmodulen, die ihr Zusammenwirken selbstständig organisieren und die Datenströme weiter bis zu einer Festnetz-Anbindung lenken. Vorreiter sind die Orte Dayton und Lebanon.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

In den US-Städten Dayton, Ohio und Lebanon, Oregon, baut der Netzwerkausrüster Cisco derzeit vermaschte Netze auf WLAN-Basis auf. Dabei kommt ein Großteil der eingesetzten Zugangspunkte (Remote Mesh Access Points) ohne eigene Kabel-Anbindung zum Datennetz aus, sondern benötigt lediglich eine Stromversorgung. Hierfür werden die APs an geeigneten Plätzen wie zum Beispiel Hausdächer, Strommasten oder Laternen angebracht. Um eine flächenmäßige Versorgung des Stadtgebiets zu erzielen, stehen die AP's untereinander in Funkverbindung, so dass die Daten schließlich bei den Modulen, die eine Leitungsverbindung zum Datennetz besitzen (Root Mesh Access Points), landen. Dank ihrer Architektur sind Meshed Networks selbstorganisierend und -heilend: Die Datenströme werden ähnlich der Arbeitsweise von Internet-Routern möglichst effizient gelenkt, und bei Ausfall einzelner Access Points kann der Verkehr umgeleitet werden. Dadurch wird die angestrebte flächendeckende Versorgung womöglich lückenhaft, jedoch kommt es nicht zum Komplettausfall der Versorgung.

Auch erlauben vermaschte Netze im Gegensatz zu separaten Hotspot-Installationen das Roaming für Teilnehmer – entsprechende Netzintelligenz vorausgesetzt. Cisco arbeitet bei den vermaschten Netzen mit HP und IBM zusammen und hat seine Hardware "Cisco Aironet 1500 Series" getauft. Diese unterstützt die IEEE-Standards 802.11a sowie b/g und besitzt hardwareseitig AES (Advanced Encryption Standard). Als Vorteil seiner Hardware stellt der Hersteller heraus, dass die Access Points je zwei separate Sende-/Empfangseinheiten besitzen ("Dual Radio Design"): Eine Funkeinheit sorgt dabei für den Transport der Nutzdaten, die andere dient dem Kontakt zu den benachbarten Modulen. Passendes Know-How erlangte der Netzwerkriese durch die Übernahme von Airespace Anfang des Jahres. Cisco beschreibt seine Mesh-Networking-Solution auf seiner Website und gibt einen kurzen Überblick in einem PDF-Dokument.

Dayton mit rund 160.000 und Lebanon mit knapp 13.000 Einwohnern erscheinen als repräsentativ für zahlreiche Kommunen in den USA. In vielen Städten gibt es Überlegungen, flächendeckende Funknetze aufzubauen, die sowohl von Behörden – einschließlich Feuerwehr und Polizeien – genutzt werden können, als auch einen Zugang für Privatnutzer bieten. Die Cisco-Hardware soll dabei den Aufbau von "VLANs" (Virtual Local Area Networks) erlauben, um so den Traffic verschiedener Nutzergruppen separat zu verwalten.

Prinzipdarstellung eines vermaschten Netzes durch Cisco [Klicken zum Vergrößern].

Cisco rechnet mit einem Marktvolumen für Meshed Networks von rund zwei Milliarden US-Dollar im Jahr 2007. Auch andere Firmen und Anwender setzen auf das Prinzip der vermaschten Funknetze, das nicht auf WLAN-Anwendungen beschränkt sein muss. Eine treibende Kraft für die Entwicklung selbstheilender und -organisierender Netze ist das Militär. Auch zivile Sicherheitsbehörden setzen auf die vermaschten Datennetze. So setzte die Polizei während des legendären Motorradrennens "Tourist Trophy" auf der Isle of Man Canopy-Funk als Ergänzung zum abhörsicheren Sprechfunk auf TETRA-Basis ein. TETRA-Hersteller Motorola wiederum hatte im vergangenen Jahr die Firma Meshnetworks aus Florida komplett übernommen. (ssu)