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US-Marktforscher verrechnen sich bei Filesharing-Effekten

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Immer die Crux mit den Zahlen: Jetzt hat der Fehlerteufel auch ein US-Marktforschungsinstitut erwischt, das sich just kritisch mit einer angeblich fadenscheinigen Statistik zu den Auswirkungen von Filesharing auf den Musikmarkt auseinandersetzen wollte. Die NPD Group hat in einer Stellungnahme dazu die von ihr erhobenen Ausgaben für Musik von Tauschbörsennutzern und des Rests der US-Bevölkerung in einer tabellarischen Darstellung falsch ausgewiesen.

Der Beitrag, der offenbar eigentlich eine Versachlichung der erhitzt geführten Debatte über Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) anstrebt, fängt mit der Forderung an, dass am besten eine Lizenz zur Veröffentlichung von Daten eingeführt werden sollte. Heutzutage machten falsch interpretierte Statistiken nur zu einfach die Runde durch die Blogosphäre und würden damit gleichsam zur Wahrheit erhoben, beklagt Russ Crupnick, in einem Blogeintrag. Wie leicht das geht, führt der Manager in dem den Blickfang des Artikels darstellenden Schaubild dar: Darin wird eine Zwischensumme zum Endergebnis addiert, was das Resultat für P2P-Anwender wenig rosig aussehen lässt.

Die Grafik führt zunächst auf Basis der jährlichen Musikstudie vor Augen, dass Tauschbörsennutzer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren 2011 mit 62 US-Dollar acht US-Dollar mehr für CDs, Downloads von Songs oder einschlägige Abonnements ausgaben als ihre Filesharing-abstinente gleichaltrige Vergleichsgruppe. Damit soll eine jüngst publik gewordene Studie der American Assembly der Columbia University widerlegt werden, wonach P2P-User rund 30 Prozent mehr Musik kaufen als sonst üblich.

Die Darstellung der Marktforscher streitet auch nicht ab, dass Filesharing-Nutzer mit zuletzt 52 US-Dollar pro Jahr weit mehr für Fanartikel hinblättern als Nichtnutzer mit 20 US-Dollar. Ähnlich gestalte sich das Verhältnis bei Konzerttickets mit 91 zu 63 US-Dollar. Beim Erstellen der Summe verfälscht sich das Bild aber. Unter Einbeziehung des Teilsaldos für Tonträger und digitale Musikstücke stehen hier bei den P2P-Anwendern 267 US-Dollar 191 bei den restlichen Kunden gegenüber. Korrekterweise müssten beim Zusammenzählen der eigentlich ausschlaggebenden fünf Kategorien 206 und 138 US-Dollar herauskommen, rechnet der kanadische Rechtswissenschaftler Michael Geist vor. Dies mache bei den Gesamtausgaben einen Unterschied von fast 50 Prozent Plus bei Filesharern aus, während er bei der von der NPD Group dargebotenen Summe nur 35,6 Prozent betrage. (vbr)

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