Menü

US-Medienstudie: Internet schlägt Zeitungen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 23 Beiträge

Der Jahresbericht zur Lage der Medien in den USA könnte für die Zeitungsverlage kaum schlechter ausfallen: 2008 informierten sich erstmals mehr Amerikaner im Internet als in den gedruckten Blättern. Nachrichten sind den US-Bürgern zwar weiter wichtig und bleiben begehrt, allerdings sind immer weniger Menschen bereit, dafür zu bezahlen. Dies sind zentrale Erkenntnisse aus dem 800 Seiten langen US-Medien-Jahresbericht 2009 des angesehenen Pew-Forschungsinstituts in Washington.

Der sechste Jahresbericht zur Lage der US-Medien sei der "düsterste bisher", schrieben die Wissenschaftler. Doch werde 2009 für die US-Zeitungsbranche angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise vermutlich zum "schlimmsten Jahr" überhaupt. Auch Zeitschriften, Radio und die lokalen Fernsehsender in den USA mussten 2008 Einbußen hinnehmen. Als Gewinner können sich neben den Internet-Anbietern vor allem Nachrichtensender fühlen.

Der Versuch von Verlagen, im Web die Verluste aufzufangen, die Zeitungen seit Jahren wegen sinkender Auflagen und des Rückgangs im Anzeigengeschäft erleiden, haben sich laut Studie zu "einem verzweifelten Bemühen entwickelt". Die Verlage hätten noch kein Konzept gefunden, um die Zeitungskrise zu meistern, es dominiere das "Geschäftsmodell des vergangenen Jahrhunderts". Traditionelle Werbung werde künftig nur teilweise die Kosten für Qualitätsjournalismus decken können. Allerdings sei es übertrieben, von einem Sterben des traditionellen Journalismus zu sprechen, vor dem angesichts der US-Zeitungskrise Kommentatoren und Medienexperten gewarnt hatten.

Wegen der Rezession und der wachsenden Nutzung des Internets als Informationsquelle bleibe den Verlagen "immer weniger Zeit, ... ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln und die finanzielle Zukunft zu sichern", schreiben die Medienwissenschaftler. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Amerikaner, die sich im Web auf den 50 wichtigsten Nachrichtenseiten informieren, um 24 Prozent. Im Jahr 2007 lag der Anstieg lediglich bei 8 Prozent. Allerdings seien 2008 die Erlöse im Web kaum gestiegen.

Die Auflage der US-Zeitungen sank 2008 erneut um etwa 4,6 Prozent auf eine tägliche Gesamtauflage von rund 48 Millionen. Die Zeitungswirtschaft habe 2008 etwa 38 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro) umgesetzt, wobei die Verlage noch immer meist gute Profite erwirtschaftet hätten, so die Studie. Die Gewinne der Zeitungshäuser seien aber um 14 Prozent niedriger als 2007 und um 23 Prozent geringer als ein Jahr davor.

Von 2001 bis Ende 2009 wird der Prognose des unabhängigen Instituts zufolge jeder vierte Arbeitsplatz in den Zeitungsredaktionen verloren gegangen sein. Allein 2008 sank die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze um etwa 5000 oder etwa 10 Prozent. Einen Boom im Nachrichtengeschäft erlebten lediglich die Nachrichtensender wie CNN, MSNBC und Fox News. Die Zuschauerzahl stieg im spektakulären Wahljahr 2008 um 38 Prozent, auch die Gewinne legten um 33 Prozent zu.

Als wichtige neue oder anhaltende Trends nennt das Institut die wachsende Bedeutung von Blogs, Bürger-Journalisten und sozialen Netzwerken im Web wie Twitter oder YouTube. Die bisher stetig wachsenden Medien ethnischer Minderheiten – wie die der spanischsprachigen oder schwarzen Amerikaner – werden ebenfalls zunehmend von der Medienkrise erfasst. Lasen 1994 noch ein Drittel der US-Bürger mindestens eine Zeitschrift, ist ihr Anteil nun auf ein Viertel gesunken. (dpa) / (vbr)