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US-Militär: Der künftige Cyberwar wird von Künstlicher Intelligenz ausgefochten

Das Schlachtfeld der Zukunft wird von unzähligen, weitgehend "autonom" agierenden vernetzten Dingen bevölkert, die in enger Kooperation mit menschlichen Kämpfern agieren, meint die US Army. KI müsse dafür noch deutlich besser werden.

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US-Militär: Der künftige Cyberwar wird von Künstlicher Intelligenz ausgefochten

Soldaten kämpfen im Verbund mit "intelligenten Dingen".

(Bild: U.S. Army Research Laboratory )

Ein Stratege der US-Armee hat in einem jetzt veröffentlichten Forschungspapier den omnipräsenten Einsatz "intelligenter Gegenstände" auf dem Schlachtfeld der Zukunft skizziert. Angelehnt an das "Internet der Dinge" spricht Alexander Kott, Netzwerkexperte des Forschungslabors der Army, von einem "Internet of Battle Things (IOBT)". Die Cyberkriegsführung werde dabei immer wichtiger, aber größtenteils von Künstlicher Intelligenz (KI) ausgeführt. Teil der künftigen Armee technischer Agenten seien smarte Social Bots, die etwa Informationen filtern und Fakten checken müssten.

Oberflächlich betrachtet ähnelten die erwarteten intelligenten Kampfgeräte einigen bereits heutzutage verwendeten militärischen Systemen, erläutert Kott. So werde es etwa weiter Bodensensoren, ferngelenkte Raketen wie Cruise Missiles und natürlich Drohnen geben. Kott geht von "Millionen" intelligenter Dinge auf einem Quadratkilometer aus, wenn das normale "Internet of Things" der smarten Heim- und Haushaltsgeräte hinzugerechnet werde. Dazu kämen neben Bots viele physikalische Roboter, die von insektengroßen mobilen Beobachtungsgeräten bis hin zu großen, selbstfahrenden Vehikeln reichten, die Truppen oder Ausrüstung transportierten.

Kott geht in einem Szenario von einem Bann "autonomer Angriffswaffen" wie Killer-Robotern aus, die ohne "bedeutungsvolle menschliche Kontrolle" agierten. Trotzdem bleibe in dem Szenario jede Menge Arbeit für "Cyber-Roboter": Kott geht davon aus, dass die künftigen kriegerischen Auseinandersetzungen in hochkonfrontativen Umgebungen stattfinden, in denen es von Propaganda, bewusst gestreuten Falschinformationen und höchst effizienter sowie gefährlicher Malware nur so wimmelt. Der Mensch sollte daher zumindest die Fehden im Internet mit KI angereicherter Technik überlassen, um nicht völlig im Nebel des Kriegs die Sicht zu verlieren.

Den Bots könnten laut Kott Kommunikation und Informationen schützen und für den Menschen sinnvoll zusammenführen. Anderen obliege es, die intelligenten Dinge gegen elektronische Kampfmittel wie elektromagnetische Impulswaffen zu verteidigen. "Künstliche Cyberjäger" in Form intelligenter, "autonomer" und mobiler Agenten bekämpfen von sich aus Bots und Trojaner des Gegners. Die "konventionelle, zentralisierte Cyberverteidigung" sei nicht mehr möglich, da die Kommunikationswege ständig attackiert und etwa mit Mobilfunkjammern immer wieder außer Gefecht gesetzt würden.

Nicht die technische, sondern die kognitive Bandbreite werde dabei das gravierendste Hindernis. Menschen und Dinge würden größtenteils undurchsichtig füreinander bleiben. Dazu komme, dass KI auf dem Schlachtfeld mit den Möglichkeiten von Endgeräten wie kleinen Sensoren oder Funkgeräten der menschlichen Kämpfer auskommen müsse und nur wenig Strom verbrauchen dürfe, da Online-Verbindungen zu Rechenzentren keineswegs gesichert seien.

Diese Herausforderung ist Kott zufolge umso größer, als die "künstlichen Agenten" im Zusammenspiel mit verschiedenen Truppenkräften lernfähig sein, sich selbst organisieren und auf die Umgebung anpassen sowie Aufgaben verteilen können müssten. Derzeit könne KI in solchen Umgebungen nicht "intelligent" agieren. Nötig seien daher "massive Fortschritte" vor allem im Bereich Maschinenlernen, damit die Technik für militärische Zwecke operabel werde. (Stefan Krempl) / (anw)

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