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US-Professor warnt: Google-Algorithmus kann Demokratie gefährden

Einsamer Mahner oder verbissener Google-Kritiker? Der US-Psychologe Rob Epstein äußert bei der CeBIT handfestes Unbehagen über die Macht, die der US-Konzern Google hat. Er sieht die Demokratie gefährdet. Google kontert, die Ergebnisse seien fair.

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(Bild: dpa, Torben Klausa)

Der US-Forscher Rob Epstein hat auf der IT-Messe CeBIT vor möglichen Gefahren der Suchformel von Google für Demokratien gewarnt. Bei einem Vortrag in Hannover sagte der Verhaltenspsychologe: "Ganz egal, was das (Google-)Management für Absichten haben mag: Das Programm entscheidet schon heute über den Ausgang von Wahlen in aller Welt." Epstein forderte eine strenge Regulierung und auch Überwachung von Suchfunktionen, die im Zusammenhang mit Wahlen stehen.

Googles Suchergebnisse können unentschlossene Wähler beeinflussen, warnt US-Psychologe Robert Epstein. Vielleicht zu sehr?

(Bild: Deutsche Messe)

Google wies Epsteins Kritik umgehend zurück und erklärte: "Relevante Antworten zu liefern war von Beginn an die Basis von Googles Suchansatz." Die Such-Ergebnisse würden lediglich das widerspiegeln, was es auch im Internet gebe. "Wir schützen aufs Entschiedenste die Integrität unseres Algorithmus", hieß es. Eine Änderung würde zudem das Vertrauen der Nutzer in die Ergebnisse und auch die Firma selbst untergraben.

Epstein wies auf Tests mit insgesamt 4556 Teilnehmern in Indien und den USA hin, die sein Amerikanisches Institut für Verhaltensforschung und Technologie (AIBRT) durchgeführt hat. Dabei habe sich im Umfeld der vergangenen indischen Wahlen unter 2150 unentschlossenen Wählern gezeigt, dass deren Gunst im Schnitt um 20 Prozent – in einigen Gruppen sogar um rund 60 Prozent – zugunsten eines Kandidaten verschoben werden könne. Epstein: "99 Prozent der Teilnehmer hatten keine Ahnung, dass sie manipuliert wurden."

Nach seinen Schätzungen kann durch die Reihenfolge, in der die Politiker in den Suchergebnissen auftauchten, auch bei anderen Tests etwa ein Viertel der unentschlossenen Wähler beeinflusst werden. "Was wäre aber, wenn man das Tag für Tag und zugeschnitten auf den Internet-Nutzer tun würde", fragte der Wissenschaftler. Immerhin werde der Großteil aller Suchanfragen weltweit von nur einer Firma kontrolliert. In Nordamerika gäben Unternehmen heute schon jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar aus, um in den Ranglisten bei den Suchanfragen nach oben zu rücken. "Diese Rankings haben einen dramatischen Effekt auf Verbraucherentscheidungen", sagte Epstein. (dpa) / (axk)

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