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US-Provider sticht ins virtuelle Wespennest [Update]

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Vom Rest der Welt unbemerkt wurde das Internet am vergangenen Wochenende in seinen Grundfesten erschüttert. Weitgehend unbestätigten Berichten zufolge hatte der US-Netzbetreiber AT&T für DSL-Kunden vorübergehend den Zugriff auf Unterverzeichnisse des Imageboards 4chan gesperrt. Betroffen waren offenbar hauptsächlich die Boards /b/ und /r9k/. Inzwischen soll AT&T die Sperre, die der Provider gegenüber Centralgadget einräumte, wieder aufgehoben haben.

Die Experten sind sich einig: Von AT&T war das keine gute Idee. "Das wird übel ausgehen", prophezeit TechCrunch. Die 4chan-Community ist bekannt für ihren kreativen Anarchismus und nach eigenen Angaben Heimat für "einige der entschlossensten Psychopathen des Internets". So berüchtigt das Board für seine nahezu grenzenlosen Geschmacklosigkeiten sein mag, ist es auch die Geburtsstätte vieler berühmter Memes sowie ein Ausgangspunkt der Anonymous, die im vergangenen Jahr mit Protesten gegen Scientology einiges Aufsehen erregten.

Ob die bereits angelaufenen Vorbereitungen für den wahrscheinlich massiven Gegenschlag der /b/tards, wie die Elitetruppe sich liebevoll selbst nennt, noch gestoppt werden können, ist derzeit unklar. Die Quellenlage ist alles andere als eindeutig. Während auf dem eigens für die Koordination des Gegenschlags eingerichteten Forum ein Waffenstillstand ausgerufen wurde, wird auf Twitter für Montag noch ein "großer Tag" angekündigt: "Da braut sich was zusammen" (Siehe dazu auch im Update). Auf der Statusseite des Imageboards hat sich seit der Sperrmeldung vom vergangenen Samstag nichts getan.

Unterdessen steht die Website offenbar unter erheblicher Last und lässt sich nur schwer laden. Das kann einerseits an der über das Wochenende gesteigerten Aufmerksamkeit liegen, könnte allerdings auch auf eine Attacke hindeuten. 4chan, insbesondere die Boards /b/ und /r9k/, waren in den vergangenen Wochen wiederholt Ziel von dDoS-Attacken. Ein Angriff über die IP des Imageboard-Servers wird auch als mögliche Ursache für die Sperre von AT&T vermutet. Zu den Hintergründen hat sich der Provider bisher allerdings nicht geäußert.

Update (28. Juli): Inzwischen hat AT&T die vorübergehende Blockade mit einer dDoS-Attacke erklärt. In einer Mitteilung des Providers vom Montag heißt es, der Angriff auf einen At&T-Kunden sei von den IP-Adressen von img.4chan.org ausgegangen. Das Unternehmen habe daher die IPs für das gesamte Netz blockiert und im Laufe des Sonntags wieder freigegeben. Dabei sei es nicht um die Inhalte auf der betroffenen Website gegangen. Die 4chan-Betreiber merken dazu an, dass die Boards /b/ und /r9k/ über die betroffenen IPs laufen.

Einige der ominösen Andeutungen sind unterdessen von Twitter verschwunden. Bei 4chan heißt es, im Laufe der Woche sei noch eine große Ankündigung zu erwarten. Dabei dürfte es um die Weiterentwicklung der Plattform gehen.

Siehe dazu auch:

  • Das Trollparadies. Eine Internet-Subkultur entwickelt sich vom Web-Störenfried zur globalen Bewegung. c't 6/2008

(Volker Briegleb) / (vbr)

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