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US-Raumfahrtprogramm: Trump auf Schlingerkurs ins All

US-Präsident Trump kritisiert den Fokus der NASA auf die Rückkehr zum Mond. Wer könnte die bloß befohlen haben?

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Archivbild Donald J. Trumps

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"Für all das Geld, was wir ausgeben, sollte die NASA NICHT darüber sprechen, zum Mond zu fliegen. Das haben wir vor 50 Jahren gemacht", verdutzte US-Präsident Donald Trump seine Landsleute am Freitag, "Sie sollten sich auf viel größere Dinge, die wir tun, konzentrieren, inklusive Mars (von dem der Mond ein Teil ist), Verteidigung und Wissenschaft!"

Zunächst war völlig unklar, wieso der US-Präsident plötzlich die Mondpläne der NASA kritisiert, hatte doch er selbst im Dezember 2017 bemannte Mondmission angeordnet. Eine Anordnung seines Amtsvorgängers Barack Obama aus dem Jahr 2010 hatte der NASA noch befohlen, nicht länger zum Mond sondern gleich tiefer ins All zu streben; spätestens 2025 sollten Astronauten auf einem Asteroiden landen, Mitte der 2030er-Jahren einen Mars-Orbit erreichen und sicher zur Erde zurückkehren.

Trump ersetzt Obamas Befehl durch einen eigenen: Zunächst sollten bemannte Missionen in erdnahe Umlaufbahnen führen. Dann würden unter Führung der Vereinigten Staaten Menschen zur "langfristigen Ausbeutung und Nutzung" zum Mond zurückkehren, "gefolgt von bemannten Missionen zum Mars und anderen Zielen."

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Ende März verdeutlichte der Präsident seinen Befehl. Spätestens 2024, also noch in seiner zweiten Amtszeit, möchte Trump zum Mond. Das Ziel sei mit allen erdenklichen Mitteln zu erreichen, jede verfügbare Option und Plattform müsse in Betracht gezogen werden, ob staatlich oder privat.

"Amerika wird wieder einmal die Welt erstaunen, mit den Höhen, die wir erreichen und den Wundern, die wir vollbringen", sagte Trumps Stellvertreter Michael Pence damals bei der Verkündung der neuen Vorgaben im Marshall Space Flight Center der NASA. Und erst am 13. Mai posaunte Trump selbst auf Twitter: "Unter meiner Verwaltung stellen wir die Bedeutung der NASA wieder her und kehren zurück zum Mond, dann zum Mars."

Am Freitag war plötzlich alles anders. Die Häme im Internet konzentrierte sich auf die merkwürdige Umschreibung des Monds als Teil des Mars, Fachleute sorgten sich mehr um die Ausrichtung der NASA. In Washington wird gerade an einem Bundesbudget für das im Herbst beginnende Finanzjahr 2020 gearbeitet.

Schnell gab es eine stimmige Theorie dazu, was Trumps Meinungsumschwung ausgelöst hat: Gut eine Stunde vor seinem verwirrenden Tweet hatte ein Mitarbeiter des TV-Senders Fox News den Sinn einer NASA-Mondmission hinterfragt. Fox News ist der Lieblingssender des Präsidenten.

NASA-Chef Jim Bridenstine versuchte sich einige Stunden später in Schadensbegrenzung, indem er dem Präsidenten auf Twitter Worte in den Mund legte: "Wie der Präsident gesagt hat, nutzt die NASA den Mond, um Menschen zum Mars zu senden!"

(ds)