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US-Regierung: Wir haben das iPhone ohne Apple geknackt

Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben das verschlüsselte iPhone eines toten Terroristen geknackt. Apples Hilfe war also doch nicht notwendig. Der grundsätzliche Konflikt Apple vs. FBI ist aber nicht beigelegt.

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iPhone mit PIN-Eingabefeld

Alles klar, Herr Kommissar?

Die US-Regierung behauptet, an die Daten aus dem berühmten iPhone eines in San Bernardino erschossenen Terroristen herangekommen zu sein. Das geht aus einer Eingabe bei einem kalifornischen Bundesgericht vom Montag hervor. Angaben über die gewählte Vorgehensweise oder etwaig gefundene Inhalte gibt es nicht. Der spezifische, mit Apple anhängige Streit ist nun zwar hinfällig. Andere Verfahren zwischen Apple und der US-Regierung, in denen es um Zugriff auf andere iPhones geht, laufen aber weiter.

"Die Regierung hat jetzt erfolgreich auf die in [dem iPhone] gespeicherten Daten zugegriffen und benötigt daher Apples Unterstützung […] nicht länger", heißt es in der knappen Eingabe des Staatsanwalts, "Entsprechend beantragt die Regierung, dass [der gerichtliche Befehl gegen Apple] aufgehoben wird." Diesen Antrag wird das Gericht aller Voraussicht nach genehmigen. Apple wird wohl versuchen, herauszufinden, auf welche Weise das iPhone geknackt wurde.

In dem Fall geht es um ein iPhone 5C mit iOS 9, dessen Inhalte das FBI erkunden wollte. Der Staatsanwalt erwirkte im Februar unter Berufung auf ein All Writs Act genanntes Gesetz eine gerichtliche Anordnung gegen Apple. Die Firma sollte die automatische Löschfunktion deaktivieren, eine Schnittstelle zur elektronischen Passworteingabe statt manueller Eingaben schaffen, und die Zeitverzögerung zwischen falschen Passworteingaben ausschalten. Zudem sollte Apple die neue Software ausdrücklich kryptographisch signieren, damit das Handy die Software nicht ablehnt.

Doch Apple wehrte sich, nachdem es zuvor mindestens 70 ähnliche Anordnungen widerstandslos hingenommen und umgesetzt hatte. Laut Apple war der Befehl gesetzes- und verfassungswidrig. Außerdem fehle schon die Antragsgrundlage: Die Regierung habe nicht dargelegt, dass ausschließlich Apple in der Lage sei, das iPhone zu knacken. Das wäre aber Voraussetzung für die Anordnung nach dem All Writs Act. Eine für vergangenen Dienstag angesetzte öffentliche Verhandlung war kurzfristig vertagt worden.

Er will, dass Behörden grundsätzlich in die Lage versetzt werden, auf verschlüsselte Daten zuzugreifen.

(Bild: Weißes Haus/Pete Souza)

Wie sich nun zeigt, wäre Apples Hilfe tatsächlich nicht notwendig gewesen. Die Ermittler wünschen sich aber grundsätzlich, Hersteller elektronischer Geräte zur Mitarbeit zwingen zu können. Sie werden in anderen Verfahren versuchen, ein Grundsatzurteil zu erstreiten. Ein solcher Fall ist das iPhone 5s eines New Yorker Drogenschmugglers. Insgesamt dürften US-Polizeibehörden Tausende iPhones auf Halde haben, die sie gerne auslesen würden.

Während der Konflikt umgangssprachlich als "Apple v. FBI" bezeichnet wird, heißt der Fall aus San Bernardino offiziell "The Matter of the Search of an Apple iPhone Seized During the Execution of a Search Warrant on a Black Lexus Is300, California License Plate 35KGD203". Das Aktenzeichen beim US District Court, Central District of California, Eastern Division, lautet 5:16-cm-00010-SP.

[Update 29.03.16 15:11 Uhr:] Apple hat mittlerweile eine Stellungnahme zur Einstellung des Verfahrens abgegeben. "Diese Klage hätte niemals eingeleitet werden sollen", heißt es darin. Der Konzern werde weiterhin Polizeibehörden bei Ermittlungen helfen, gleichzeitig aber die Sicherheit seiner Produkte erhöhen. Es gebe immer mehr Angriffe. "Apple glaubt, dass die Menschen in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt den Schutz ihrer Daten, ihre Sicherheit und ihre Privatsphäre verdienen." Keines dieser Dinge dürften einander geopfert werden. (ds)

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