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US-Regierung ermittelt offenbar auch gegen Huawei

Nach ZTE nimmt sich das US-Justizministerium nun offenbar auch Huawei zur Brust: Einem Medienbericht zufolge ermittelt das Ministerium gegen gegen den chinesischen Ausrüster wegen mutmaßlicher Lieferungen an den Iran – das könnte Konsequenzen haben.

US-Regierung ermittelt offenbar auch gegen Huawei

Huawei auf dem MWC 2018.

(Bild: heise online)

Die US-Regierung ermittelt einem Zeitungsbericht zufolge nun auch gegen Huawei. Nach ZTE ist damit der zweite chinesische Ausrüster wegen möglicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen gegen den Iran ins Visier des US-Justizministeriums geraten. Wie weit die Ermittlungen schon gediehen sind und wogegen konkret sie sich richten, sei allerdings nicht bekannt, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Damit verschärft die US-Regierung ihr Vorgehen gegen den chinesischen Marktführer bei Telekommunikationsausrüstungen. Bisher hatten US-Behörden und Politiker vor allem Druck auf die heimische Telekommunikationsbranche ausgeübt – mit Erfolg: Keiner der großen US-Netzbetreiber kauft seine Technik bei Huawei ein. Die Chinesen beliefern ein paar kleine Regionalnetzbetreiber, die allerdings mit Huawei sehr zufrieden sind. Die Ausrüstersparte von Huawei ist mit 27 Prozent Marktanteil Weltmarktführer, kommt in den USA aber nicht mal auf ein Prozent.

Zuletzt hat die US-Politik ihre Gangart gegen Huawei verschärft. US-Geheimdienste und Bundesbehörden warnten eindringlich vor den chinesischen Herstellern. Mit Gesetzesinitiativen soll der Einsatz chinesischer Technik für kritische Infrastrukturen aus Sicherheitsgründen untersagt werden. Auch die Regulierungsbehörde Federal Communications Commissions (FCC) treibt ein Verbot chinesischer Technik für staatlich unterstützte Netzbetreiber voran.

Von dem heftigen Gegenwind in den USA ist auch Huaweis Smartphone-Sparte betroffen. Mit AT&T waren sich die Chinesen handelseinig, dass der zweitgrößte US-Mobilfunkanbieter Huaweis Smartphones in sein Portfolio aufnimmt. Für Smartphone-Hersteller ist es enorm wichtig, bei einem US-Netzbetreiber in den Vertrieb zu kommen. “90 Prozent der Smartphones werden hier über die Carrier verkauft”, sagte Richard Yu, Chef von Huaweis Smartphone-Sparte, im Januar in Las Vegas. Auf der CES wollte Yu eigentlich die neue Partnerschaft mit AT&T ankündigen, doch die Amerikaner bekamen kurz vorher kalte Füße – mutmaßlich auf Druck aus Washington.

Sollten sich die Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Huawei konkretisieren, wird das im besten Fall teuer, im schlimmsten Fall drohen Handelssanktionen. Auch Mitbewerber ZTE hatte die US-Regierung vorgeworfen, gegen Handelssanktionen verstoßen zu haben. ZTE hatte sich in einem Vergleich zu einer Millionenstrafe verpflichtet. Nachdem die US-Justiz dem Ausrüster nun Verstöße gegen die Bewährungsauflagen vorwirft, hat das Handelsministerium amerikanischen Unternehmen den Export an ZTE untersagt.

Das könnte weitreichenden Konsequenzen haben: ZTE bezieht die Chips für seine Smartphones unter anderem vom US-Hersteller Qualcomm. Während es für Qualcomm-Chips durchaus Alternativen auf dem Weltmarkt gibt, wäre das Betriebssystem Android schwerer zu ersetzen. Noch ist nicht klar, ob der Bannstrahl des US-Handelsministeriums auch Android-Lizenzen betrifft. Google und ZTE sondieren derzeit die Lage. Angesichts der neuen Ermittlungen des US-Justizministeriums dürfte das nun auch Huawei interessiert beobachten. (vbr)

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