US-Regierung verlängert Aufsicht über Internet-Verwaltung

Bevor die ICANN den Schritt zur echten Internationalisierung machen kann, muss die Organisation laut Becky Burr vom amerikanischen Wirtschatsministerium noch verschiedene Aufgaben zu Ende bringen.

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Beim offenen Forum der Internet-Verwaltung Internet Corporation of Assigned Names and Numbers (ICANN) in Yokohama kündigte Becky Burr, Vertreterin des US-Department of Commerce, eine Neufassung des Memorandum of Understanding (MoU) an. Der Vertrag, der das Verhältnis zwischen der ICANN und der US-Regierung festlegt, läuft am 30. September aus. Beobachter hatten bereits seit längerem damit gerechnet, dass die US-Regierung die Kontrolle über die Domainverwaltung noch nicht abgeben werde.

Bevor die ICANN den Schritt zur echten Internationalisierung machen kann, muss die Organisation laut Burr noch verschiedene Aufgaben zu Ende bringen, die ihr im MoU mit auf den Weg gegeben wurden. In neuen MoU sollen diese Aufgaben aufgeführt werden. Weder für das Ende der US-Aufsicht in der Domainverwaltung noch zur Übergabe des A-Root-Servers nannte Burr einen konkreten Zeitpunkt. Allerdings betonte die US-Vertreterin, es werde keine neuen Auflagen für ICANN geben: "Es geht nur um die Erledigung der offen stehenden Aufgaben." Besonders hob sie die ungeklärte Auseinandersetzung um den finanziellen Beitrag der Länder-Registries zum ICANN-Budget hervor.

Mit der für den Sonntag erwarteten Verabschiedung einer vorsichtigen Öffnung des DNS für neue Top Level Domains macht die Non-Profit-Domainverwaltung einen weiteren Schritt in Richtung "Unabhängigkeit". ICANN-Präsident Mike Roberts meint, dass man bereits 80 Prozent der MoU-Vorgaben erfüllt habe. Dazu gehört auch die Realisierung der At-Large-Wahl, also der Wahl von ICANN-Direktoren durch die Internet-Nutzer, über die im Open Forum in Yokohama noch einmal ausführlich gestritten wurde.

Bürgerrechtsorganisationen kritisieren eine geplante Satzungsänderung, nach der die Reduzierung der Zahl der At-large-Direktoren von neun auf fünf vorerst festgeschrieben werden soll. Trotz der Betonung des amtierenden Direktoriums und der ICANN-Hauptamtlichen, man werde das Mitsprache-Modell für die User nach dem Abschluss einer dazu geplanten Studie ganz neu überdenken, schlossen sich selbst einzelne Regierungsvertreter der Kritik an. "ICANNs Board geht ziemlich bedenkenlos mit solchen Satzungsänderungen um", sagte beispielsweise EU-Vertreter Christopher Wilkinson. (Monika Ermert) / (jk)