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US-Regulierungsbehörde öffnet "Weißen Raum"

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Das Votum war einstimmig. Während die US-Präsidentschaftswahl weltweit die Schlagzeilen des Tages bestimmte, sprachen sich die fünf Kommissionsmitglieder der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) für die Öffnung des TV-Frequenzspektrums für neue Dienste aus. Wenn die terrestrische Fernsehausstrahlung in den USA ins digitale Zeitalter eintritt, sollen dann ungenutzte Kanäle für andere Dienste, etwa Internetversorgung, genutzt werden können. Um den "weißen Raum", wie das ungenutzte Spektrum genannt wird, wurde erbittert gekämpft.

Dem klaren Abstimmungsergebnis war in den vergangenen Monaten ein heftiges Lobby-Tauziehen um die Stimmen der Regulierer vorangegangen, das nicht weniger mit Emotionen und Pathos aufgeladen war, als der parallel laufende Präsidentschaftswahlkampf. "Befreit den Äther", fordern die Befürworter, gestützt von veritablen Industriegrößen wie Google und Microsoft, während auf der Gegenseite die Fernsehbranche schwarz sieht für den freien TV-Empfang.

"White Spaces" ist ein Konzept, mit dem drahtlose Internetzugänge oder andere mobile Dienste im ungenutzten Spektrum zwischen den digitalen Fernsehkanälen realisiert werden sollen. Damit, so argumentiert die breite Front der Befürworter, kommen kostengünstige Internetzugänge auch in dünn besiedelte ländliche Regionen, in denen weder Kabel noch DSL erhältlich sind. Doch noch gibt es keine Geräte und keine Provider. Noch gibt es nicht mal ein Geschäftsmodell.

Ein paar Prototypen, die bei der FCC getestet wurden, sollten nur den Beweis der Machbarkeit erbringen: dass die Geräte belegte Kanäle zuverlässig erkennen und nicht stören. Davon zeigte sich die Regulierungsbehörde nun überzeugt, nachdem die technische Abteilung erklärt hatte, das sei den von Microsoft, Motorola und Philips eingereichten Geräten unter Laborbedingungen auch gelungen. Die Industrie will nun in zwölf bis 18 Monaten serienreife Geräte und Anwendungen entwickeln.

Wie die aussehen könnten, bleibt bislang der Fantasie überlassen. Google und Microsoft machen sich zwar öffentlich für White Spaces stark, bleiben die Beantwortung von Detailfragen aber schuldig. "WLAN auf Steroiden" wird das Verfahren von Unterstützern wie Googles Larry Page genannt. Wie dieses vollmundige Versprechen eingelöst werden soll, bleibt offen. Bei Fragen zu konkreten Anwendungsszenarien verweisen die Unternehmen auf ihre Lobbytruppe, die dazu nicht viel zu sagen weiß.

"Das volle Potenzial der White-Space-Technik können wir uns noch gar nicht vorstellen", sagt ein Sprecher der Wireless Innovation Alliance, dem Washingtoner Interessenverband, der sich mit Macht in die Meinungsschlacht um den weißen Raum gestürzt hatte. Dabei ging es der Industrie zunächst darum, einen möglichst barrierefreien Zugang zum Spektrum zu erhalten. Den hat die FCC mit der Freigabe des White Space für unlizenzierte Nutzung nun gewährt.

Verhindern wollte das eine kuriose Koalition aus Fernsehsendern, Konzertveranstaltern, Theatermachern und Kirchen, die in Washington einige politische Unterstützung organisieren konnte. Während die TV-Branche das fragliche Spektrum als Hoheitsgebiet betrachtet, fürchten Kirchenvertreter und Kulturveranstalter zum Beispiel, dass die neue Technik die benachbarten Frequenzen der Funkmikrophone stört. Das könnte etwa das Ende von Broadway-Shows bedeuten, warnten Theatermacher und wussten dabei sogar Dolly Parton an ihrer Seite.

Mit der FCC-Entscheidung ist der weiße Raum geöffnet worden, aber noch längst nicht erobert. Das Verfahren hat ohne Frage Potenzial. Das galt allerdings auch für ein anderes Funkverfahren, mit dem Breitband-Internet endlich in die Provinz kommen sollte. Doch um WiMAX ist es deutlich stiller geworden. White Space liegt im niedrigeren Frequenzbereich mit höheren Reichweiten und hat damit bessere Rahmenbedingungen. Dennoch muss die Industrie das große Versprechen erst noch einlösen. (vbr)

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