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Facebook-Anhörung im US-Senat: Zuckerberg zeigt sich reuig, weicht konkreten Fragen aus

Viel Asche streute sich Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im US-Senat aufs Haupt. Und er kündigte an, Facebook-Postings bald mit 20.000 Mitarbeitern zu überwachen. Konkreten Fragen zu Daten- und Kinderschutz wich er aber aus.

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Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, vor dem Senatsausschuss.

(Bild: senate.gov)

"Facebook ist eine idealistische und optimistische Firma", meinte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstag bei seiner Einvernahme vor einem Ausschuss des US-Senats. Zu Beginn gab er sich, wie erwartet, als reuiger Sünder: "Wir hatten keinen ausreichend weiten Blick auf unsere Verantwortung. Es war mein Fehler, und es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich betreibe es, und ich bin dafür verantwortlich, was hier passiert."

Besonders bereue er, die "Russischen Informations-Operationen" nur langsam erkannt zu haben. Und die von den Datendeals Cambridge Analytics betroffenen User nicht schon im Dezember 2015 informiert zu haben, sei aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen.

Zuckerberg gelobte den Senatoren Besserung: "Es reicht nicht, Leute mit einander zu verbinden. [...] Wir müssen sicherstellen, dass die Leute es nicht verwenden, um andere zu verletzen oder falsche Informationen zu verbreiten. […] Ich verpflichte mich dazu, das in Ordnung zu bringen." Dazu gehöre, jede einzelne App, die "Zugriff auf viel Information" hatten, zu untersuchen. "Wenn wir verdächtiges Verhalten finden, unternehmen wir einen kompletten Audit. Und wenn wir feststellen, dass sie irgend etwas Unsauberes gemacht haben, werden wir sie von Facebook verbannen und alle Betroffenen informieren."

Mark Zuckerberg bei seiner Aussage vor zwei Ausschüssen des US-Senats

(Bild: Screenshot)

Bis Jahresende werde Facebook zudem 20.000 Mitarbeiter für Inhaltskontrolle und Sicherheitsprobleme haben. Er habe erkannt, dass es nicht ausreiche, sich auf Meldungen anderer User zu verlassen. Gleichzeitig glaubt Zuckerberg, mit künstlicher Intelligenz (AI) unerwünschte Inhalte wie Terrorpropaganda oder die in Myanmar grassierenden Aufrufe zum Völkermord eindämmen zu können.

Update:

Geplant ist außerdem eine Aufstellung aller Werbeanzeigen, die über eine Facebook-Page bestellt wurden, und welche Zielgruppen jeweils dafür ausgewählt waren. Damit soll zumindest teilweise ersichtlich werden, wenn Werbetreibende in verschiedenen Regionen unterschiedliche Reklame schalten. Das könnte insbesondere bei politischen Themen interessant werden, falls ein Kandidat sich widersprechende Anzeigen schaltet, um unterschiedliche Wähler für sich zu gewinnen.

Es war die erste von mindestens zwei Einvernahmen, denen sich Zuckerberg beim US-Parlament stellen muss. Bereits am Montag hatte er eine Reihe von Senatoren hinter verschlossenen Türen getroffen. Am Dienstag wurde er dann in einer gemeinsamen Sitzung der Senatsausschüsse für Justiz sowie Wirtschaft etwa fünf Stunden lang öffentlich befragt.

Der Republikanische Senator und Vorsitzende, John Thune, zweifelte daran, dass sich bei Facebook tatsächlich etwas ändern werde: "Das Magazin Wired hat vor kurzem festgestellt, dass Sie eine 14 Jahre lange Geschichte von Entschuldigungen für unüberlegte Entscheidungen über die Privatsphäre der Nutzer haben, nicht unähnlich jener, die Sie gerade […] gemacht haben. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Versprechen, es besser zu machen – wie unterscheidet sich die heutige Entschuldigung? Und warum sollten wir Facebook vertrauen, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und den Menschen ein deutlicheres Bild von Ihren Datenschutzbestimmungen zu geben?"

Erneut folgte Zuckerberg seinem Plan, sich als schuldig aber besserungsfähig zu präsentieren: "Wir haben viele Fehler gemacht. [...] Ich glaube, es ist praktisch unmöglich, eine Firma in ihrem Studentenheimzimmer zu gründen und auf diese Größe zu bringen, ohne Fehler zu machen." Facebook versuche "den selben Fehler nicht zweimal zu machen". Viele Fehler seien "in der Natur der Sache" begründet. Nun aber sei eine "breitere Verschiebung der Philosophie" im Gange.

Viele Fragen der Senatoren waren allgemeiner Natur, was dem dem Facebook-CEO in die Karten spielte: Er konnte allgemeine Antworten geben, oder auf sein Team verweisen, dass dem jeweiligen Senator später weitere Informationen liefern soll.

Zu politischen Fragen, etwa möglichen neuen Gesetzen zum Schutz von Kindern oder angedachten neuen rechtlichen Bestimmungen zum Datenschutz, machte Zuckerberg freundliche Nasenlöcher. Dabei war er jedoch stets darauf bedacht, sich nicht festzulegen.

Ein einfaches Beispiel: Als Senatorin Amy Klobuchar wissen wollte, ob Facebook für eine neue Vorschrift sei, wonach von einer Datenschutzverletzung Betroffene binnen 72 Stunden zu verständigen seien, sagte Zuckerberg: "Senatorin, das hat für mich Sinn. Und ich meine, wir sollten mein Team mit ihrem Team Kontakt aufnehmen lassen, um die Details dazu näher zu diskutieren."

Mehr als zehn Mal bemühte Zuckerberg das Wort "Details" – auf die er in der Einvernahme nicht eingehen wolle. Auch als Senator Edward John Markey eine Datenschutz-Grundgesetz für junge Nutzer bis 16 aufs Tapet brachte, zeigte sich Zuckerberg dem "generellen Prinzip" des Schutzes Minderjähriger zugeneigt, lehnte aber eine gesetzliche Verpflichtung dazu ab.

Das gefiel dem Senator nun gar nicht, woraufhin sich der Facebook-Chef wieder auf sein Team zurückzog, das dann auch gleich das Gesetz abfassen soll: "Senator, ich freue mich darauf, mein Team mit Ihnen in Verbindung zu setzen, damit mein Team die Details ausarbeiten kann."

Senator Richard Blumenthal konfrontiert Mark Zuckerberg mit einer Passage aus den Teilnahmebedingungen des Cambridge-Analytica-Quiz'. Zuckerberg zeigte sich unwissend.

(Bild: Screenshot)

Je konkreter die Fragen wurden, umso ausweichender antwortete Zuckerberg. Das entging auch den Senatoren nicht. Die Demokratin Kamala Harris, einst Kaliforniens Justizministerin, machte das in ihren fünf Frageminuten deutlich: "Ich war in den letzten vier Stunden, während der Sie ausgesagt haben, immer wieder hier. Und ich muss Ihnen sagen, dass ich besorgt darüber bin, wie Facebook Vertrauen und Transparenz wertschätzt, wenn wir uns einig sind, dass ein wichtiger Teil der einer von Vertrauen und Transparenz getragenen Beziehung ist, dass wir die Wahrheit sagen [...]."

"Während dieser Anhörung, in den letzten vier Stunden, wurden Ihnen mehrere kritische Fragen gestellt, auf die Sie keine Antworten haben. Zu diesen Fragen gehörte

  • ob Facebook das Browsen seiner Nutzer weiter verfolgen kann, wenn sie sich von Facebook ausgeloggt haben
  • ob Facebook unsere Aktivitäten über verschiedene Geräte hinweg verfolgen kann, wenn wir nicht eingeloggt sind
  • wer Facebooks größter Mitbewerber ist
  • ob Facebook 96 verschiedene Datenkategorien über User speichern kann
  • und ob Sie wussten, dass [Aleksandr] Kogan die [von Facebook-Usern gesammelten] Daten verkaufen oder weitergeben durfte."

Aleksandr Kogan ist jener Psychologe, der die im Zentrum des Cambridge-Analytica-Skandals stehenden Daten über 87 Millionen Facebook-User auf der Plattform gesammelt hat. Einige User hatten sich an einem Quiz Kogans beteiligt, womit Kogan Zugriff auf ihre Daten sowie auf Informationen über ihre Freunde bekam. Senator Richard Blumenthal hatte in der Ausschusssitzung aufgezeigt, dass die von Facebook akzeptierten Nutzungsbedingungen Kogans diesem tatsächlich das Recht einräumten, die Daten weiterzugeben und zu verkaufen.

Hinweis: Ein anderes, irrtümlich benanntes Land wurde im Text durch Myanmar (korrekt) ersetzt. (ds)

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