US-Senatoren wollen Einführung von RFID-Personaldokumenten verhindern

Daniel Akaka (Hawaii) und John Sununu (New Hampshire) setzen sich für eine Außerkraftsetzung des Real ID Act ein, der die Bundesstaaten verpflichtet, ihre ID-Systeme bis zum Jahr 2008 zu modernisieren und zu vereinheitlichen.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

In den Vereinigten Staaten wächst die Kritik an der Einführung von elektronischen Personaldokumenten mit RFID-Technik. Die US-Senatoren Daniel Akaka (Hawaii) und John Sununu (New Hampshire) kündigten an, sich für eine Außerkraftsetzung des so genannten Real ID Act einzusetzen, der Anfang 2005 verabschiedet worden war und die Bundesstaaten verpflichtet, ihre ID-Systeme bis zum Jahr 2008 zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Das Gesetz sieht unter anderem die Ausgabe von Führerscheinen auf Chipkarten-Basis vor, die biometrische Informationen der Inhaber enthalten und per Nahfunk ausgelesen werden können. Die von den Behörden der einzelnen Bundesstaaten erfassten Daten sollen in einer nationalen Datenbank gespeichert werden, um künftig auch staatenübergreifende Identitätsüberprüfungen zu ermöglichen.

Die unterschiedlichen Parteien angehörenden Senatoren warnen davor, dass RFID-Chips zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs die von den Protagonisten ins Feld geführten Sicherheitsvorteile für Personaldokumente bringen und berufen sich dabei unter anderem auf eine Empfehlung der Smart Card Alliance (SCA). Diese hatte die US-Regierung Anfang Dezember aufgefordert, Abstand von den RFID-Plänen zu nehmen. "Wir bitten das State Department und das Department of Homeland Security eindringlich, ihre Entscheidungen für den Einsatz von RFID in Personaldokumenten noch einmal zu überdenken", hält der Direktor der Smart Card Alliance, Randy Vanderhoof, in einem SCA-Report fest. "Über mehrere Meter auslesbare RFID-Chips sind nicht die richtige Lösung für ID-Karten, die sicher sein sollen." Ein RFID-Einsatz möge vielleicht bei der Verfolgung von Produkten sinnvoll sein, nicht aber bei Menschen.

Kritisch bewerten Akaka und Sununu zudem die Kosten des Mammut-Projekts. Nach Berechnungen der National Governors Association (NGA), die als Mittler zwischen den Gouverneuren und der Regierung in Washington agiert, muss jeder Bundesstaat in den kommenden fünf Jahren rund elf Milliarden US-Dollar für den Aufbau der im Real ID Act vorgeschriebenen nationalen Netzinfrastruktur investieren. Wem es gelinge, in dieses Netz einzudringen, habe Zugriff auf nahezu alle Daten, die für Identitätsdiebstähle benötigt würden, gibt Senator Akaka weiter zu bedenken. Der demokratische Politiker übernimmt im kommenden Jahr den Vorsitz des Senate Homeland Security and Governmental Affairs Subcommittee, das die Umsetzung von Anweisungen von nationalen an bundesstaatliche Behörden überwacht.

Zur Einführung des ePasses und den Auseinandersetzungen um Ausweise mit digitalisierten biometrischen Merkmalen siehe den Online-Artikel in c't – Hintergrund (mit Linkliste zu den wichtigsten Artikeln aus der Berichterstattung auf heise online sowie in c't, Technology Review und Telepolis):

(pmz)