US-Studie: Wirtschaftliche Bedeutung der Schranken fürs Copyright nimmt zu

Ein US-Hightech-Verband hat neue Zahlen zum Umsatz von Industrien vorgelegt, die von gesetzlichen Einschränkungen des Urheberrechts profitieren. 2007 soll die Summe in den USA bei 4,7 Billionen US-Dollar gelegen haben.

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Die Computer and Communications Industry Association (CCIA) hat neue Zahlen zum Umsatz von Branchen vorgelegt, die von gesetzlichen Einschränkungen des Urheberrechts profitieren. Laut der Studie (PDF-Datei) der Beratungsfirma Capitol Consulting, die an erstmals 2007 veröffentlichten Zahlen anschließt, sollen Begrenzungen der exklusiven Verwertungsrechte privatwirtschaftliche Einnahmen von 4,7 Billionen US-Dollar generieren. Diese Werte beziehen sich auf das Jahr 2007, das bedeutet ein Zuwachs von über 5 Prozent zu den Umsatzzahlen für 2006 aus der ersten Analyse.

Die Einnahmen, die aus Begrenzungen der exklusiven Verwertungsrechte resultieren, sollen 2007 auf 4,7 Billionen US-Dollar angestiegen sein.

(Bild: CCIA)

Der US-Gesetzgeber hat 1976 mit der Doktrin "Fair Use" das Copyright zum Wohle der Gesellschaft eingeschränkt. So ist es etwa erlaubt, Kopien für den privaten oder wissenschaftlichen Gebrauch zu erstellen. Es gestattet beispielsweise das Reverse Engineering von Software in gewissen Grenzen oder das Zitieren aus Nachrichtenartikeln oder Büchern. In Deutschland sind vergleichbare Nutzerfreiheiten unter dem Begriff "Schrankenrechte" im Urheberrechtsgesetz zusammengefasst.

Von den Copyright-Einschränkungen profitieren laut Studie nach wie vor hauptsächlich Firmen aus in der Internetwirtschaft. Dazu kommen Hersteller von Geräten, mit denen Kopien geschützter Werke möglich sind, Host-Provider und Betreiber von Suchmaschinen, Software-Entwickler und Bildungseinrichtungen. Der Gesamtumsatz dieser Unternehmen soll von 2002 bis 2007 um 36 Prozent nach oben geklettert sein. Der 2007 generierte "Mehrwert" für die gesamte Wirtschaft wird auf 2,2 Billionen US-Dollar beziffert, was 16,2 Prozent des gegenwärtigen Bruttoinlandsprodukts der USA ausmache. 23 Prozent des Wirtschaftswachstums gingen auf das Konto derjenigen, die vom "Fair Use" profitieren.

In den erfassten Branchen waren 2007 laut Studie 17,5 Millionen Menschen beschäftigt, 100.000 mehr als 2006. Ihr Export sei im Untersuchungszeitraum um rund 12 Prozent auf 281 Milliarden US-Dollar angestiegen, der Anteil der Online-Dienstleistungen von 578 Millionen US-Dollar 2002 auf 5,2 Milliarden 2007. Die Produktivität je Mitarbeiter liege bei rund 128.000 US-Dollar und somit weit über dem Durchschnitt für die Gesamtwirtschaft von 100.000 US-Dollar je Beschäftigtem.

Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass sie die Statistiken auf Basis ökonomischer Messmethoden der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erstellt hätten. Die Copyright Alliance, eine Dachvereinigung von Lobby-Verbänden der Copyright-Industrien, bleibt bei ihrer Kritik an dem Ansatz. Es fehle weiterhin an der Erkenntnis, dass "Fair Use" in jedem einzelnen Fall auf einem bestehenden, originalen und geschütztem Werk aufbaue. Ohne diese Schöpfungen gebe es auch keine Nutzungsfreistellungen. Zudem würden selbst Einnahmen über Lizenzmodelle, die auf dem Copyright basierten, dem Sektor "Fair Use" zugeschlagen.

CCIA-Präsident Ed Black, der mit seinem Verband Konzerne wie eBay, Google oder Microsoft vertritt, betont dagegen: "Wir müssen aufpassen, dass jeder Versuch zur Änderung unserer Gesetz fürs geistige Eigentum nicht entscheidende Sektoren der Wirtschaft übersieht." Ansonsten würde das Wirtschaftswachstum behindert. Es sei daher wichtig, über das Ziel hinausgehende Copyright-Verschärfungen zu verhindern. Nur so könnten innovative Firmen ihren Beitrag zur Gesundung der nationalen Wirtschaft maximieren. (anw)