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US-Wahl: Tausende Facebook-Anzeigen russischer Trolle veröffentlicht

Monate nach Beginn der Untersuchungen haben US-Abgeordnete Tausende Anzeigen öffentlich gemacht, mit denen mutmaßlich russische Hintermänner angeblich die US-Wahl beeinflussen und Unfrieden schüren wollten. Das Bild des Vorgehens wird damit klarer.

US-Wahl: Tausende Facebook-Anzeigen russischer Trolle veröffentlicht

Die Demokraten im Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses haben alle Werbeanzeigen veröffentlicht, die von der russischen "Internet Research Agency" auf Facebook geschaltet wurden. Die mehr als 3000 Anzeigen erschienen demnach auf fast 500 Facebook-Seiten, die die russischen Angreifer angelegt hatten, um politische Einstellungen von US-Bürgern zu beeinflussen. Die mehr als 10 Gigabyte an Daten geben einen Einblick in die Versuche aus Russland, Misstrauen gegenüber den Kandidaten der Präsidentschaftswahl und dem politischen System insgesamt zu schüren. Wie das durchgeführt wurde, hatte der US-Sonderermittler Robert Mueller bereits im Februar offengelegt, mit den Inhalten lässt sich das nun noch besser nachvollziehen.

Die immense Sammlung zeigt, wie die Betreiber der Accounts aus Russland heraus gezielt auf gesellschaftliche Debatten in den USA Bezug nahmen. Über Einträge und Werbeanzeigen wurden dabei starke Gefühle, wie Stolz oder Wut angesprochen und geschürt, was immer mehr Follower anlockte. Die bildeten dann das Publikum für Beiträge, die kontroverse Themen weiterführten und auf eine wachsende gesellschaftliche Polarisierung abzielten. Insgesamt haben die Inhalte 126 Millionen US-Amerikaner erreicht, schreiben die Abgeordneten der Demokraten nun. Zusätzlich zu den Werbungen wurden 80.000 organisch erstellte Inhalte gezählt.

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In den Monaten vor der US-Wahl ergriffen die Accounts dann Partei für Donald Trump oder warben unter mutmaßlichen Anhängern der Demokraten gegen den Gang an die Urne. Donald Trump hat die Wahl zum US-Präsidenten dank weniger zehntausend Stimmen Vorsprung in einigen überproportional wichtigen Bundesstaaten gewonnen. Deswegen könnte die Kampagne durchaus das entscheidende Zünglein an der Waage gewesen sein. Aber auch wenn nicht, zeigen die nun bekannten Details, wie gewiefte Angreifer mit vergleichsweise begrenzten Mitteln demokratische Gesellschaften unterwandern und durch gesätes Misstrauen schwächen können.

So findet sich beispielsweise ein Eintrag auf der Facebook-Seite "Black Matters", der kurz nach dem Anschlag auf eine afroamerikanische Kirchgemeinde in Charleston (South Carolina) mit Bezug auf das Ereignis und Debatten über Rassismus um Follower warb. Später wurden über diese Seite Nachrichten verbreitet, die gegen die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton Stimmung machten. Während auf solchen Accounts auch die Wut über Polizeigewalt gegen Afroamerikaner angefacht wurde, warben andere für Unterstützung der Polizei. Einige Accounts beschworen die Geschichte der nicht aus Europa stammenden Minderheiten, andere warben für Symbole der ehemaligen Südstaaten, die im Bürgerkrieg für die Beibehaltung der Sklaverei Krieg führten und inzwischen für Rassismus stehen.

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Wie NBC News berichtet, wurde ein Drittel der mehr als 3000 gefundenen Werbeanzeigen niemals einem Facebook-Nutzer angezeigt, da die verantwortlichen Russen sie nie ausspielten. Stattdessen konzentrierten sie sich auf besonders erfolgversprechende Inhalte und bestimmten dafür sehr genaue Zielgruppen. So seien die Werbeanzeigen mit Bezug zu afroamerikanischen Debatten ausschließlich an Nutzer in Baltimore, Cleveland, St. Louis und Ferguson (Missouri) gerichtet worden. Andere Anzeigen seien gezielt an Fans bekannter Persönlichkeiten aus dem Umfeld der konservativen Republikaner und vor allem von Donald Trump gerichtet worden sowie evangelikale Christen. Insgesamt gab die "Internet Research Agency" NBC zufolge 100.000 US-Dollar für Facebook-Werbung aus. (mho)

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