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USA: FCC will Nutzung von elektronischen Geräten in Flugzeugen ausdehnen

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In den USA gibt es Streit darum, ob man die Nutzung von mehr elektronischen Gerätetypen als bislang während des Flugs zulassen soll. Nach den für die Mitglieder bindenden Sicherheitsstandards der International Air Transport Association (IATA) sollen beim Abflug und bei der Landung alle elektronischen Geräte abgeschaltet werden. Untersagt ist weiterhin während des Flugs die Benutzung von elektrischen Geräten, wenn sie sich nicht im Flugmodus befinden, also alle Dienste deaktiviert sind, die Funkwellen erzeugen. Der Grund ist, dass diese möglicherweise die Bordelektronik stören könnten.

Diese von vielen als unnötig empfundenen Sicherheitsmaßnahmen wurden auch von den Luftfahrtbehörden übernommen, allerdings gibt es wie bei der deutschen Luftfahrzeug-Elektronik-Betriebs-Verordnung (LuftEBV) Ausnahmen vom Verbot der Handy- oder WLAN-Nutzung, sofern die Fluggesellschaften dafür die technischen Voraussetzungen wie ein OnAir-System oder einen Hotspot im Flugzeug geschaffen und nachgewiesen haben, dass dies die Bordelektronik nicht stört. Geräte, die "nicht absichtlich" senden, z.B. iPods, Gameboys oder Digital-Filmkameras, können uneingeschränkt benutzt werden.

In den USA ist man sich nun auch innerhalb der Regierungsbehörden uneinig. So hat Julius Genachowski, der Vorsitzende der FederalCommunications Commission (FCC), einen Brief an Michael Huerta, den Leiter der US-Luftfahrtsbehörde FAA, geschrieben und diese aufgefordert,die Nutzung elektronischer Geräte in Flugzeugen zu erweitern. Über den Brief wurde erstmals von The Hill berichtet, auch andere Medien wie die New York Times haben danach das Thema aufgegriffen. Im Sommer hatte die FAA zwar auf Druck der Öffentlichkeit eine Studiengruppe eingerichtet, um die Sicherheitsstandards für die Verwendung von elektronischen Geräten zu überprüfen. Die FAA hatte jedoch gleich klar gemacht, dass es dabei nicht darum gehen werde, Handy-Gespräche an Bord zuzulassen.

Die FCC erwog bereits 2004, die Verwendung von elektronischen Geräten an Bord zuzulassen, hat das eingeleitete Verfahren aber 2007 wieder wegen der unzureichenden Menge an Daten über die Sicherheit abgebrochen. Der letzte Test der FAA wurde 2006 durchgeführt, also noch vor der Verbreitung von Smartphones, Tablets oder eBooks. Damals kam die FAA zu dem Schluss, dass es keine Beweise für eine Interferenz von elektronischen Geräten mit der Bordelektronik gebe. Überdies gebe es auch keine Beweise, dass dies überhaupt möglich sei. Dennoch wurde am Verbot festgehalten. Piloten dürfen seit kurzem iPads bei Start und Landung benutzen.

Offenbar will man nun die FAA dazu drängen, im Rahmen der Sicherheitsprüfung "eine größere Nutzung von Tablets, eBooks und anderen tragbaren Geräten" zu gestatten und zumindest elektronische Geräte auch bei Start und Landung nicht ausschalten zu müssen, wenn sie sich im Flugmodus befinden. Als Grund wird angegeben, dass immer mehr Menschen diese Geräte zur Kommunikation und Arbeit nutzen. Sie würden es den Menschen ermöglichen, "informiert und mit Freunden und der Familie verbunden zu bleiben. Sie ermöglichen es kleinen und großen Unternehmen, produktiver und effizienter zu sein". Das wiederum würde das Wirtschaftswachstum und die Konkurrenzfähigkeit der USA stärken. Bislang hat die FAA nicht auf den Brief geantwortet.

Die IATA hatte letztes Jahr in einer Studie, wie ABC News berichtete, 75 Zwischenfälle bei Flugsteuerung, Navigations- und Kommunikationsystemen zwischen 2003 und 2009 dokumentiert, die möglicherweise mit der Benutzung von Handys oder Laptops zusammenhängen könnten. Die Studie basierte allerdings auf Umfragen unter 125 Luftfahrtgesellschaften. Beweise für Störungen gab es hier nicht, lediglich Vermutungen der Crew. (fr)