USA: Kampf um Recht auf WLAN-Sabotage

Hoteliers und Netzwerk-Ausrüster wollen ganz offiziell das Recht haben, fremde WiFi-Netze zu deaktivieren. Verbraucherschützer, Microsoft und Google sowie Mobilfunk-Netzbetreiber wehren sich dagegen.

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USA: Kampf um Recht auf WLAN-Sabotage

Im Hotel surfen bleibt teuer: US-Hotelketten möchten private WLANs sabotieren dürfen.

(Bild: CollegeDegrees360 CC BY-SA 2.0)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Die US-Regulierungsbehörde FCC soll festlegen, dass die Sabotage fremder WLANs über eigenem Grund legal ist. Das wünschen sich die Hotelkette Marriott und der Branchenverband der US-Hotellerie. Unterstützt werden sie von Netzwerkausrüstern wie Cisco. Gegen die Legalisierung der Sabotage sprechen sich unter anderem Google und Microsoft aus.

Weil Hotel-WLANs oft recht teuer sind, gehen viele Gäste über so einen moblilen Hotspot ins Internet. Dagegen möchten Hotelketten gern etwas unternehmen.

(Bild: Kārlis Dambrāns CC-BY 2.0 )

Die FCC hat das Anliegen der Hotellerie veröffentlicht und lädt jedermann zu Stellungnahmen ein (Verfahren RM-11737). Anlass für die Petition ist eine im Herbst von der FCC erwirkte Strafzahlung Marriotts. Das von Marriott geführte Gaylord Opryland Hotel and Convention Center in Nashville, Tennessee, war dabei erwischt worden, mitgebrachte Hotspots von Gästen und Ausstellern zu stören. Marriott wollte insbesondere Aussteller dazu bringen, 250 bis 1000 US-Dollar (etwa 200 bis 820 Euro) pro Endgerät für den Zugang zum Hotel-WLAN zu zahlen.

Marriott und der US-amerikanische Hotellerieverband wollen nun, dass die FCC ganz offiziell die gesetzlichen Bestimmungen anders auslegt, oder aber neue Regeln erlässt. Denn die Hoteliers möchten (weiterhin) fremde WLANs stören. Marriott hatte sich eigentlich dazu verpflichtet, fremde Access Points, die legal im unlizenzierten Spektrum funken, nicht mehr zu stören.

Bislang hat die FCC 16 Stellungnahmen veröffentlicht. Marriott erhält darin Unterstützung nicht nur von der Hotelkette Hilton, sondern auch von Cisco, Aruba Networks, Ruckus Networks, Dazu kommen mehrere Branchenverbände, die Ausrüster oder deren größten Kunden vertreten.

Die Unterstützer vertreten insbesondere den Standpunkt, dass die Deaktivierung unerwünschter WLANs die Sicherheit und Leistungsfähigkeit des jeweils eigenen WLAN erhöhen würde. Auch der Kinderschutz wird ins Treffen geführt: Private Hotspots könnten in Schulen dazu genutzt werden, die im schuleigenen WLAN ausgeübte Zensur zu umgehen.

Doch auch für die Beibehaltung der bisherigen Rechtsauslegung, welche Eingriffe in fremde WLANs verbietet, sind mehrere Stellungnahmen eingegangen. Sie stammen unter anderem von Google und Microsoft sowie den Verbraucherschutzorganisationen Public Knowledge und Open Technology Institute. Auch zwei Privatpersonen haben bereits gegen den Wunsch der Hotellerie Stellung bezogen.

Google sind WLAN-Sabotagen ein Dorn im Auge.

Mit CTIA, NCTA und der Wireless ISP Association setzen sich auch drei Netzbetreiber-Verbände für den Schutz privater WLANs ein. Die Mitglieder dieser Organisationen laufen Gefahr, jene Kunden zu verlieren, deren Hotspot über Mobilfunk ins Internet verbindet. Die Sabotage-Gegner verweisen unter anderem darauf, dass das WLAN-Spektrum ausdrücklich jedermann freigegeben wurde. Daher dürfe niemand exklusive Kontrolle ausüben.

Die gezielte Sabotage fremder WLANs in Hotels und Konferenzzentren erfolgt in der Regel so: Entdeckt das eigene WLAN-System fremde Access Points, verschickt es an dessen Clients bestimmte Datenpakete mit gefälschtem Absender (MAC-Adresse). Diese Datenpakete enthalten den Befehl, die Verbindung zum Access Point zu trennen (Deauthenticate- oder Disassociate). Die gefälschte Absenderadresse erweckt den Eindruck, der Befehl stamme vom Access Point selbst.

Also brechen die Clients automatisch die Verbindung ab und gehen offline. Die betroffenen User werden somit dazu gedrängt, ein nicht gestörtes WLAN benutzen. Nicht ganz zufällig ist das meistens ein kostenpflichtiges Hotel-WLAN. (ds)