USA: Texaner wegen Bitcoin-Schneeballsystem verklagt

Rund 700.000 Bitcoin soll der "Bitcoins Savings and Trust“ des Betrügers eingesammelt haben. Die versprochenen 7 Prozent Zinsen pro Woche wurden allerdings laut der klagenden US-Börsenaufsicht allein aus den Kundengelder gezahlt.

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Von
  • Axel Kannenberg

Die US-Börsenaufsicht SEC hat Klage gegen den Texaner Trendon Shavers eingereicht, der eine Art Schneeballsystem auf Bitcoin-Basis betrieben haben soll. Laut der Klageschrift soll er mindestens von September 2011 bis September 2012 unter dem Pseudonym "pirateat40 " online die Geldanlage in seinen "Bitcoins Savings and Trust“ offeriert haben. Damit konnte er vermutlich über 700.000 Bitcoin von Anlegern einsammeln, zum damaligen Zeitpunkt im Wert von 4,5 Millionen US-Dollar, derzeit wären es rund 60 Millionen US-Dollar.

Shavers alias „pirateat40“ soll seinen Anlegern demnach Zinsen von sieben Prozent pro Woche versprochen haben. Er gab vor, diese spektakulären Gewinne durch Arbitragenhandel im großen Stil zu erwirtschaften, wobei er auf Anfragen hin von Bitcoin-Verkäufen an solvente Privatinteressenten sprach. Dabei fanden aber wohl keine solche Geschäfte statt – stattdessen soll Shavers einen Teil der Gelder für private Ausgaben genutzt haben.

Insgesamt 150.649 Bitcoin sollen auf sein eigenes Konto bei einer Bitcoin-Börse geflossen sein. Er verwendete das Geld offenbar zunächst für Währungshandel, erlitt jedoch Verluste und hob insgesamt rund 147.000 US-Dollar von dem Börsenkonto ab. 507.148 Bitcoin flossen in Auszahlungen und Zinsausschüttungen an die Anleger zurück. Die Auszahlungen wurden laut Klage ausschließlich über die Gelder der Anleger finanziert. Insgesamt sollen 66 Personen auf die Masche reingefallen sein. Im August 2012 brach das System schließlich zusammen.

Parallel zur Anklage warnt die SEC auch explizit vor ähnlichen Finanzbetrügereien mit virtuellen Währungen. So machten das hohe Maß an Anonymität sowie die derzeit noch geringe staatliche Kontrolle die digitalen Geldformen überaus attraktiv für solche Betrüger, argumentiert die Behörde. Transaktionen und Geldschöpfung laufen etwa bei Bitcoins ohne Banken über ein dezentrales Netzwerk ab. Um Bitcoins zu empfangen, muss ein Nutzer lediglich einen öffentlichen Schlüssel für sein Konto offenbaren. Dabei kann praktisch für jede Transaktion ein neuer öffentlicher Schlüssel generiert werden, was eine Zuordnung und Nachverfolgung erheblich erschwert.

Die Masche einer vorgetäuschten Geldanlage, deren vermeintliche Zinsen oder Dividenden aber tatsächlich aus den Einlagen der Kunden gezahlt werden, wird häufig auch als Ponzi-Schema bezeichnet. Der Name geht zurück auf dem Hochstapler Charles Ponzi, dem es um 1920 gelang, rund 150 Millionen US-Dollar zu ergaunern. Ein aktuelleres Beispiel wäre etwa der Investment-Betrüger Bernie Madoff, der seine Anleger um rund 50 Milliarden US-Dollar prellte. (axk)