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USA bauen Notfall-Mitteilungen an Handys aus

Die Infos sollen längere Texte, Telefonnummern, Links und später auch Fotos enthalten können. Außerdem soll die Zustellung genauer regional zugeschnitten werden und es kommt eine neue Kategorie hinzu.

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(Bild: dpa, Jan-Philipp Strobel/Illustration0)

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Seit 2012 werden in den USA behördliche Notfall-Mitteilungen an Handys verteilt. Die Wireless Emergency Alerts (WEA) sind bis zu 90 Zeichen lang und informieren etwa über vermisste Kinder ("Amber Alert") oder drohende Unwetter. Am 19. September wurde erstmals per WEA nach einem Terrorverdächtigen gefahndet. Am Donnerstag hat die Regulierungsbehörde FCC beschlossen, das WEA-System weiterzuentwickeln. Zu den neuen Möglichkeiten zählen spanische Texte, Links, zielgenauere Zustellung sowie weniger dringliche Informationen öffentlicher Stellen ("Public Safety Messages").

Die Maximallänge soll auf 360 Zeichen steigen, was aber nicht für 2G- und 3G-Netze gilt. Den Behörden wird ermöglicht, auch anklickbare Telefonnummern und URL einzubauen. Kritiker fürchten, dass es zu einer Überlastung der Netze kommen wird, wenn Krethi und Plethi gleichzeitig die Nummern anrufen oder auf die Links klicken.

Die Netzbetreiber werden auch spanische Texte unterstützen und allerlei Daten über den WEA-Dienst mitloggen müssen. Die neuen Public Safety Messages sollen Informationen von allgemeinem Interesse enthalten, etwa Hinweise auf Notunterkünfte oder gegebenenfalls die Anordnung, Leitungswasser nur gekocht zu konsumieren.

Die Zustellung erfolgt über Cell Broadcasts. Dabei werden alle Handys, die in bestimmten Mobilfunkzellen eingebucht sind, beschickt. Bisher wurden aber in der Regel alle Zellen in einem großen Gebiet mit den Mitteilungen geflutet. Das führte zu Abstumpfung bei den Empfängern. Bei einer Überschwemmung in Louisiana haben viele Empfänger die Warnungen ignoriert, weil sie zu oft Warnungen erhalten hatten, die sie eigentlich nicht betrafen.

Auch Tsunami-Warnungen sind zeitkritisch

In Zukunft sollen die Netzbetreiber die Zustellgebiete exakter eingrenzen, indem sie nur ausgewählte Netzzellen fluten. Ein Teil der neuen Bedingungen tritt bereits 60 Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt (Federal Register) in Kraft, für andere Teile sind die Fristen bis zu zweieinhalb Jahren lang.

In der Zwischenzeit möchte die FCC noch weitere Auflagen hinzufügen. Dazu gehören unter anderem die Bestückung der Nachrichten mit Icons und kleinen Bildern, Mehrsprachigkeit, die Bevorrangung von Erdbeben-Infos und ein noch genauerer geographischer Zuschnitt.

Für Letzteres ist Cell Broadcast nicht geeignet. Vielmehr müsste der Netzbetreiber den Aufenthaltsort jedes Handys bestimmen und die Geräte dann einzeln ansprechen. Weil es dafür noch keine Standards gibt, möchte die FCC sie gemeinsam mit den Netzbetreibern ausarbeiten. (ds)