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USA klagen chinesischen Professor wegen Industriespionage für Huawei an

US-Justizbehörden stellen in einer Anklage einen Zusammenhang zwischen Forschungsförderung durch Huawei und potenzieller Industriespionage her.

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(Bild: Paul2015/Shutterstock.com)

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Die USA haben Anklage gegen einen chinesischen Professor erhoben, der sich unter Vorgabe von Forschungszwecken den Zugang zu Geschäftsgeheimnissen eines US-Unternehmens verschafft haben soll. Die so erlangten Informationen habe er an das chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei weitergegeben. Grundlage für die Anklage sei die Zivilklage des Silicon-Valley-Start-ups CNEX Labs gegen Huawei, berichtet Reuters.

Eine texanische Jury habe im Rahmen des Zivilprozesses im Juni festgestellt, dass Huawei Solid-State-Drive-Technik von CNEX Labs gestohlen haben könnte. Dabei soll der chinesische Professor die Rolle des Beschaffers gespielt haben, berichtet Reuters. Als Professor an der Xiamen University in Fujian in China und Gast-Professor für Informatik der Universität Texas soll er sich im Rahmen seiner Forschungsarbeit an CNEX Labs gewandt und um eine Platine gebeten haben, um die neuartige SSD-Speichertechnik des Unternehmens für Forschungszwecke zu testen. Die Technik soll es ermöglichen, in großen Rechenzentren das ständig wachsende Informationsvolumen zu verwalten. Dabei werde unter anderem Künstliche Intelligenz eingesetzt. CNEX Labs willigte ein, ihm die Platine mit proprietärer Technik zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen.

Zu diesem Zeitpunkt stand die Technik nicht zum öffentlichen Verkauf. Der Professor verpflichtete sich daher, die Technik weder an Dritte weiterzugeben noch sie dazu zu verwenden, um ein wettbewerbsfähiges Produkt daraus zu entwickeln. Das Unternehmen sendete ihm die Platine zu, nachdem er eine Geheimhaltungserklärung unterschrieben hatte. Nach Angabe der Anklage soll der chinesische Professor zu diesem Zeitpunkt aber mit der SSD-Entwicklungsabteilung von Huawei zusammengearbeitet haben, die an einer ähnlichen Technik arbeitete.

Die Forschungsarbeit des Professors sei über die chinesische Universität von Huawei finanziert worden. Auch an die texanische Universität, an der der Professor tätig war, seien vorab von Huawei Spenden in Höhe von 100.000 US-Dollar geflossen, heißt es im Wall Street Journal. Das Justizministerium sieht darin einen Zusammenhang. Möglicherweise fördere Huawei gezielt Hochschulprofessoren und akademische Forschungsprojekte im Ausland, um an neue Technik zu gelangen und sie in eigenen Produkten einzusetzen. Huawei hatte zwar im Zivilprozess bestätigt, die Forschung des Professors zu unterstützen, wies aber den Vorwurf zurück, "an den Bemühungen beteiligt" gewesen zu sein, CNEX-Geschäftsgeheimnisse zu erlangen.

Huawei ist in den USA in weiteren Fällen angeblicher Ausspähung von Geschäftsgeheimnissen und wegen Verstöße gegen das Sanktionsrecht angeklagt. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte Huawei im Mai außerdem auf eine Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen in den USA strengen Kontrollen unterliegen. Die jetzige Anklage gegen den chinesischen Professor ist als ein weiterer Fall zu sehen, um Huawei in Zusammenhang mit Industriespionage in den USA zu stellen. (olb)