Menü
c't Magazin

USA legen chinesischen DRAM-Chiphersteller lahm

Wegen Industriespionage, die die nationale Sicherheit gefährde, blockieren die USA eine milliardenteure Speicher-Fab und beschuldigen die taiwanische UMC.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 282 Beiträge
USA legen chinesischen DRAM-Chiphersteller lahm

Rendering der Fab von Fujian Jinhua Integrated Circuit (JICC) in Jinjiang.

(Bild: JICC)

"Wenn China die wichtigste Technik eines amerikanischen Marktführers ergattert, kann das unsere nationale Sicherheit gefährden", sprach FBI-Direktor Christopher Wray im November 2018. Gemeint war das nagelneue, fast 6 Milliarden US-Dollar teure DRAM-Produktionswerk Fujian Jinhua Integrated Circuit Company (JICC) in der chinesischen Küstenprovinz Fujian. Zuvor hatte das US-Handelsministerium ein Embargo gegen JICC verhängt. Wie die Financial Times meldet, führt diese Lieferblockade dazu, dass JICC etwa ab März nicht mehr produzieren kann.

JICC ist Teil der Anstrengungen Chinas, die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Dazu gehört nicht nur die Entwicklung eigener Prozessoren wie der ShenWei-Chips für den Top-10-Supercomputer Sunway TaihuLight, sondern auch der Aufbau lokaler Halbleiterfabriken. Außer in JICC steckt die chinesische Regierung auch viel Geld in die Mobilspeicher-Fab Innotron sowie in den NAND-Flash-Fertiger Yangtze Memory Technologies (YMTC).

Doch schon 2017 hatte der US-Chiphersteller Micron gegen JICC geklagt – und gegen den nach TSMC und Globalfoundries weltweit drittgrößten Auftragsfertiger für Halbleiterbauelemente, die United Microelectronics Corporation (UMC) aus Taiwan. Denn UMC verkaufte das zur DRAM-Fertigung nötige Know-how sowie einige Produktionsmaschinen an JICC und schickte den erfahrenen Manager Stephen Chen. Er wurde Chef von JICC nach einer kurzen Zwischenstation bei UMC. Zuvor leitete er Micron Memory Taiwan, die taiwanische Fertigungssparte von Micron.

DDR4-SDRAM-Speichermodule (DIMMs)

Nach Ansicht der US-Behörden haben Chen und zwei weitere ehemalige Micron-Taiwan-Mitarbeiter das DRAM-Wissen jedoch schlichtweg gestohlen.

Das chinesische Handelsministerium entgegnet kühl, die US-Behörden trügen damit zu stark auf (... overgeneralize the concept of national security). Doch chinesische Behörden fanden 2018 "starke Beweise" für Preisabsprachen der drei großen DRAM-Firmen Samsung, SK Hynix – und Micron.

Auf die Micron-Klage in den USA reagierte UMC 2018 mit einer Gegenklage in China. Bestimmte Produkte der Micron-Tochter Crucial dürfen in China nicht mehr verkauft werden, weil sie UMC-Schutzrechte verletzen.

Sowohl JICC als auch UMC beteuern ansonsten ihre Unschuld. UMC entwickelt nach eigenen Angaben schon seit 1996 DRAM-Technik.

Micron hingegen hat laut UMC das strittige Know-how erst 2012 mit der Übernahme der seinerzeit insolventen japanischen Firma Elpida erworben. Deren DRAM-Technik kam bei der taiwanischen Elpida-Fertigungssparte Rexchip zum Einsatz, aus der später Micron Memory Taiwan wurde – unter der Leitung des ehemaligen Rexchip-Chefs Stephen Chen.

Chen kooperierte schon vor zehn Jahren mit UMC. Denn durch die Rezession 2008 gerieten mehrere taiwanische DRAM-Hersteller in wirtschaftliche Schieflage, außer Rexchip etwa noch Inotera, Powerchip und ProMOS. Die taiwanische Regierung wollte diese Firmen mit Subventionen retten und zum Konglomerat "Taiwan Memory Company" (TMC) verschmelzen. Daran sollte sich auch UMC beteiligen, als TMC-Chef war Stephen Chen vorgesehen.

Nach der Intervention der US-Behörden verkündete UMC Ende 2018, alle Aktivitäten für JICC zu stoppen. Bereits an JICC verkaufte Maschinen werden nicht von Taiwan nach China ausgeliefert, wie UMC bei der Präsentation des Jahresberichts für 2018 am 29. Januar 2019 betonte.

UMC versucht anscheinend, möglichst ungeschoren aus der Sache herauszukommen: UMC ist auf Kunden aus aller Welt angewiesen, auch aus den USA. Ein Embargo der USA wie gegen JICC würde UMC hart treffen. Schon im November 2018 hatte Bloomberg gemeldet, das große JICC-Gelände in Jinjiang wirke teilweise verlassen.

Seit Donald Trumps US-Regierung einen Handelskrieg gegen China führt, hat sie auch gezielte Maßnahmen gegen andere chinesische Firmen ergriffen, darunter Huawei und ZTE. US-Behörden dürfen auch keine Videoüberwachungssysteme von Dahua und Hikvision mehr kaufen. (ciw)