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USA und China spielen Cyberkrieg

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Regierungsvertreter aus Washington D.C. und Peking haben sich im vergangenen Jahr angeblich zweimal an "Cyberwar-Games" beteiligt. Ziel der Übungen sei es, eine Eskalation als Reaktion auf Angriffe übers Internet zu verhindern. Dies berichtet der britische Guardian unter Berufung auf das Centre for Strategic and International Studies (CSIS), eine Denkfabrik in der US-Hauptstadt. An den beiden Simulationen, die im Juni in Peking und im Dezember in Washington D.C. stattgefunden haben sollen, nahmen demnach Abgesandte des US-Außenministeriums und des Pentagon sowie ihrer chinesischen Pendants teil. Ein weiteres Treffen zum Durchspielen von Kriegsszenarien im Internet sei für Mai 2012 geplant.

Jim Lewis, ein leitender CSIS-Mitarbeiter, erklärte dem Blatt, dass sein Institut die Zusammenkünfte inoffiziell gemeinsam mit den China Institutes of Contemporary International Relations organisiere. Dies erlaube es den Abgesandten der Regierungen, sich in einer vergleichsweise informellen Umgebung auszutauschen. Sie nähmen gleichsam als Beobachter teil, auch wenn sie im Rahmen der Sandkastenspiele nach und nach auch direkt miteinander interagierten.

Im ersten Cyberkrieg-Szenario mussten beide Seiten Lewis zufolge beschreiben, wie sie auf die Attacke mit einem ausgefeilten Computervirus wie Stuxnet reagieren würden. Dabei sei alles glimpflich verlaufen. Beim zweiten Treffen sei es darum gegangen, was man unternehme würde, wenn bekannt geworden wäre, dass der Angriff von der anderen Seite gestartet worden sei. Diese Übung sei weniger gut ausgegangen, meinte der Koordinator, ohne Einzelheiten zu nennen.

Generell hätten die Vertreter der USA immer wieder ihrem Ärger darüber Luft gemacht, dass China ihrer Ansicht nach mit Cyber-Angriffen Spionage betreibe und einen Diebstahl gewerblich geschützter Informationen im industriellen Ausmaß unterstütze. Die Diplomaten und Militärs aus dem Reich der Mitte seien sich dagegen ihrer neuen Stellung im internationalen Machtgefüge bewusst gewesen und hätten sich "angriffslustig" gezeigt. Allgemein sei die Haltung der Teilnehmer aus China so zu beschreiben, dass sie sich über Jahrhunderte vom Westen gedemütigt fühlten. Sie seien der Ansicht, sich gegen einen US-Imperialismus zur Wehr setzen zu müssen.

China rüstet Beobachtern zufolge seit Jahren verstärkt für den Cyberkrieg auf. Aber auch das US-Militär flirtet mit einem digitalen Erstschlag. Vor zwei Jahren unterstrich das CSIS, an dem mittlerweile auch der EU-Koordinator für Internetfreiheiten, Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg, beschäftigt ist, die Verwundbarkeit der USA durch Cyber-Angriffe. Man wisse, dass etwa China und Russland bereits ausspionierten, wie man das Stromnetz der USA lahmlegen könnte. Die USA und ihre Wirtschaft bluteten zudem durch ständige kleinere Cyber-Attacken regelrecht aus. Das Ausspähen wichtiger Informationen und Übergriffe Cyberkrimineller schädigten Unternehmen und die Regierung. (ssu)

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