USB-Entwickler über Apples Lightning-Stecker: "Wir waren zu träge"

Dass Apple das hauseigene Stecksystem Lightning entwickelt hat, liegt auch am Standardisierungsgremium USB-IF.

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USB-C (links) und Lightning (rechts) haben viele Gemeinsamkeiten.

(Bild: Apple)

Von
  • Florian Müssig

Apples hauseigener Lightning-Standard und USB-C haben etliche Gemeinsamkeiten: Die Stecker sind verdrehsicher, übertragen andere Daten als USB, vertragen höhere Ströme und Spannungen als ältere USB-Stecker und sind auch deutlich kleiner als diese. Dass Apple trotz dieser Gemeinsamkeiten einen eigenen Steckertyp als Nachfolger des vormals genutzten 30-Pin-Konnektors entwickelt hat, war keine gezielte Bosheit gegenüber dem Standardisierungsforum USB-IF (Universal Serial Bus Implementers Forum): "We were too lazy" ("Wir waren zu träge"), gab Brad Saunders, Chairman des USB-IF, im Gespräch mit c't zu.

Als Standardisierungsgremium ist das USB-IF bei Entwicklungen auf Mehrheitsbeschlüsse seiner Mitglieder angewiesen. Zu dem Zeitpunkt, als Apple einen Nachfolger für den 30-Pin-Konnektor suchte, gab es laut Saunders noch keine Mehrheit für eine völlige Neuentwicklung. Stattdessen ruhten sich die im USB-IF versammelten Unternehmen auf Zwischenlösungen wie MHL aus, welches eine Mini- oder Micro-USB-Buchse zweckentfremdete.

Für Apple, welches ebenfalls im USB-IF aktiv ist, kam Mini- oder Micro-USB offensichtlich wegen der fehlenden Verdrehsicherheit nicht in Frage; eventuell haben auch weitere Faktoren wie die Anzahl der spezifizierten Steckvorgänge eine Rolle gespielt. Zudem hatte Apple mit dem Made-for-iPhone-Programm bereits eine hausinterne Zertifizierungsstelle für Drittanbieter-Zubehör, die man weiterbetreiben konnte.

Apples kürzlich vorgetragenes Argument, die von der EU angestrebte Regulierung hinsichtlich eines einheitlichen Smartphone-Ladekabels behindere Innovationen, lässt sich im Angesicht der Aussage von Brad Saunders also nicht völlig von der Hand weisen. Auch der zeitliche Ablauf spricht für Apple: Das erste iPhone mit Lightning, das iPhone 5, erschien im Herbst 2012. In den USB-IF-Gremien kam es erst danach zu einem Umdenken: Die Spezifikation von USB-C wurde im Sommer 2014 verabschiedet.

Laut Saunders war USB-C nicht der einzige Fall, wo man etwas verschlafen habe: Das Übertragen von Videosignalen stand zwar früh auf der internen USB-IF-Agenda, doch zu einem USB-Display-Standard – analog zu USB-Audio, das beispielsweise Headsets nutzen – konnte man sich nicht durchringen. Als die Mehrheit der Mitglieder dann den Bedarf erkannte, war es schon zu spät. Stattdessen war das dann die Geburtsstunde der Alt-Modi von USB-C, konkret des heutzutage bei USB-C-Docking allgegenwärtigen DP-Alt-Modus. Letzterer nutzt den von der VESA (Video Electronics Standars Association) genormten DisplayPort-Standard.

Mit HDMI-Alt gibt es übrigens auch ein alternatives Verfahren auf HDMI-Basis, doch dieses war praktisch eine Totgeburt. Auch alle uns bekannten Kabel und Adapter von USB-C auf HDMI nehmen DisplayPort-Signale entgegen und wandeln sie in HDMI-Signale um. (mue)