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Uber-CEO relativiert Khashoggi-Mord und tödlichen Crash

Uber hat Erfahrungen mit Skandalen um den CEO, das betraf eigentlich Travis Kalanick. Nun hat sein Nachfolger massive Kritik auf sich gezogen.

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(Bild: Axios)

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Dara Khosrowshahi, CEO des Fahrdienstvermittlers Uber, steht in der Kritik, nachdem er in einem Interview den Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi als "Fehler" ("mistake") bezeichnet und mit den Hintergründen eines tödlichen Crashs eines autonomen Uber-Autos verglichen hat. Khosrowshahi hatte diese Kommentare in einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios abgegeben, als es darum ging, inwieweit es vertretbar ist, Saudi-Arabien als einflussreichen Investor seines Unternehmens zu haben. Auf die Frage, ob der Manager des saudischen Staatsfonds PIF seinen Platz im Board of Directors behalten sollte, hatte Khosrowshahi zum Mord an Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul gesagt: "Das ist ein schwerwiegender Fehler. Auch wir haben Fehler gemacht mit dem autonomen Fahren."

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul ermordet worden. Der Kolumnist der Washington Post war dort von aus Saudi-Arabien angereisten Tätern getötet worden. Vertreter des Königreichs hatten zuerst den Tod des Regierungskritikers abgestritten und dann dessen Ermordung. Erst nachdem türkische Ermittlungen immer mehr Einzelheiten ans Licht gebracht hatten, gestanden Vertreter Saudi-Arabiens mehr und mehr Aspekte des Verbrechens ein, sprachen aber von einer "nicht autorisierten Operation". Während eine Reihe von Indizien aber sogar den Thronfolger Mohammed bin Salman in die Nähe der Tat gerückt hatten, wird dies von Saudi-Arabien weiterhin abgestritten.

Schon kurz nach Ende des Interviews versuchte Khosrowshahi am Wochenende seine Äußerungen zu berichtigen. Wie Axios ergänzt, telefonierte der Uber-CEO noch einmal mit den Redakteuren und habe erklärt: "Ich hab etwas gesagt, das ich nicht glaube. Die Ermordung Jamal Khashoggis war verwerflich und sollte weder vergessen noch entschuldigt werden." Ähnlich äußerte er sich dann am Montag noch einmal auf Twitter. Die teilweise massive Kritik an seiner Äußerung konnte er damit aber nicht mehr abwenden. Einmal mehr machten Twitter-Nutzer unter #BoycottUber ihren Unmut über das Unternehmen deutlich. Schon im Sommer 2016 hatten Frauen aus Saudi-Arabien unter diesem Hashtag den Einfluss des Staatsfonds auf Uber kritisiert.

Angesichts dieser Kritik an der Äußerung mit Bezug auf Khashoggi geht etwas unter, dass Khosrowshahi die Umstände des tödlichen Crashs eines autonomen Testfahrzeugs von Uber mit einer Frau in Arizona ebenfalls als "Fehler" beziehungsweise "Irrtum" ("mistake") bezeichnet hat. Dabei hatte ein Report der US-Behörde für Transportsicherheit (NTSB) vergangene Woche teilweise haarsträubende Software-Fehler aufgelistet, die dem Crash vorausgingen. Wegen denen konnte das Fahrzeug keine Fußgänger erkennen, die regelwidrig die Straße überqueren ("jaywalking"). (mho)