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Uber expandiert trotz heftigen Widerstands

Das umstrittene US-Startup will seine Mitfahrdienste auch in Düsseldorf, Köln und Stuttgart anbieten. Schon formiert sich auch dort der Widerstand, der in Hamburg und Berlin schon handfest ist.

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Ungeachtet des Widerstands städtischer Behörden und des Taxigewerbes will der US-Mitfahrdienst Uber in Deutschland weiter expandieren. Schon am Freitag will Uber seine Dienste auch in Düsseldorf anbieten, verriet Deutschlandchef Fabien Nestmann dem Handelsblatt. Köln und Stuttgart sollen "später" folgen. Uber ist bisher in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt am Start.

Gegen die Fahrdienst-App Uber regt sich der Widerstand.

(Bild: dpa)

Das US-Unternehmen gibt eine App für iOS, Android und neuerdings auch Windows Phone heraus, über die Fahrgäste an Limousinen mit Chauffeur oder Privatpersonen mit eigenem Auto vermittelt werden. Uber kümmert sich um Auftragsabwicklung sowie die Abrechnung über Kreditkarte. Dafür behält das Unternehmen eine Provision ein, die laut Insidern zwischen 10 und 20 Prozent liegt. Uber lässt sich da nicht in die Karten gucken.

Uber ermittelt den Fahrpreis wie beim Taxi abhängig von Wegstrecke und Fahrzeit. Dazu kommt noch eine weitere Komponente, die es nicht übersichtlicher macht: Bei starker Nachfrage wird es teurer. Uber nennt das "Surgepricing". Das Unternehmen hofft, dass bei steigenden Preisen mehr Fahrer ins System kommen. Zu dem Fahrpreis kommt je nach Standort noch eine Bearbeitungsgebühr und Trinkgeld. Steuern führt Uber in den Niederlanden ab, wo auch das Unternehmen sitzt, das die Verträge mit den Fahrern schließt.

An der Vermittlung von Limousinen mit Chauffeur, die unter der Marke Uber BLACK läuft, stört sich hierzulande kaum jemand. Die Limousinen und Fahrer haben in der Regel die nötigen Papiere und Versicherungen. Für Aufregung sorgt Uber POP, bei dem sich Privatpersonen mit ihrem eigenen Auto beteiligen können. Uber achtet nach eigenen Angaben zwar darauf, dass die POP-Fahrer ein blütenreines Führungszeugnis haben und das Auto keine Klapperkiste ist. Trotzdem ist nicht ganz klar, ob das Geschäftsmodell legal ist.

Besonders das Taxigewerbe ist auf den Barrikaden.

(Bild: dpa)

Die Hamburger Verkehrsbehörde und ein Berliner Landgericht sind der Ansicht, dass Uber gegen Gesetze verstößt. Ein Berliner Taxiunternehmen hat im April eine Einstweilige Verfügung erwirkt, die Uber untersagt, "taxiähnliche Dienste" anzubieten. Dabei ging es darum, dass Uber-Chauffeure die für "Mietwagen mit Fahrer" geltende Rückkehrpflicht verletzt haben sollen. Sie dürfen sich nicht zwischen Aufträgen in der Stadt bereithalten, das ist ein Privileg der Taxis.

Vollstrecken lässt der Berliner Unternehmer die Einstweilige Verfügung bisher nicht – offenbar will er sich nicht mit dem US-Unternehmen anlegen, das eine mit Risikokapital prall gefüllte Kriegskasse hat. Ein Verbot könnte die zuständige Berliner Behörde aussprechen. "Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten prüft immer noch, ob eine geplante Untersagungsverfügung möglich ist", sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Verkehr. Eine Entscheidung falle frühestens Anfang September. Nach Informationen der Bild-Zeitung stehen im Senat die Zeichen auf Verbot.

Die Hamburger Verkehrsbehörde hat bereits ein Verbot von UberPOP ausgesprochen, will das bis zur rechtlichen Klärung eines von Uber angestrengten Eilverfahrens aber vorerst nicht vollstrecken. Während in München noch Ruhe zu herrschen scheint, prüft auch das Frankfurter Ordnungsamt "ob es was zu verbieten gibt", will sich dabei aber nicht drängen lassen. In Düsseldorf ist man alarmiert. "Sollte Uber hier sein übliches Angebot anbieten, sehen wir die gleichen Probleme wie andere Städte und werden gegebenenfalls dagegen vorgehen", sagte ein Sprecher der Stadt dem Handelsblatt.

Auch im designierten Expansionsgebiet Stuttgart regt sich erster Widerstand. "Natürlich beunruhigt uns das", sagt Thomas Laschuk vom baden-württembergischen Taxiverband. Er fürchtet nicht nur, dass Uber hiesigen Anbietern vor allem junge Kunden abjagt. Laschuk sieht auch die Gefahr, dass Taxifahrer künftig aus dem stark regulierten Gewerbe aussteigen und ihre Dienste selbst über private Autos anbieten könnten. Dadurch werde letztlich die Mobilität jedes einzelnen gefährdet, warnte Laschuk.

Siehe dazu auch den "Klartext" auf heise Autos:

(vbr)

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