zurück zum Artikel

Ubuntus Unity-Desktop an Fedora drangeflanscht

Im GNOME:Ayatana [1]-Projekt des OpenSuse-Build-Service findet sich seit kurzem ein Depot mit RPM-Paketen [2], über die sich der maßgeblich von Canonical für Ubuntu entwickelte Unity-Desktop bei Fedora 17 nachrüsten lässt. Die Projekt-Seite liefert nur eine Handvoll Informationen zum Entwicklungsstand des Projekts, das auch an Unity-Depots für Mandriva 2011 sowie die OpenSuse-Versionen 12.1 und Factory und arbeitet. Xiao-Long Chen, einer der vier Projektentwickler [3], erläuterte auf Nachfrage von heise open, das Depot sei "bereit zum Testen durch Entwickler"; er arbeitet aber noch an einigen offenen Aspekten bei Kernpaketen, daher werden bestimmte Dinge nach Updates vielleicht nicht mehr arbeiten.

Alle Ubuntu-Indikatoren sollen laut Xiao-Long Chen arbeiten. Auch die Dash Lenses für Anwendungen, Dateien und Musik würden funktionieren; ebenso Globale Menüs [4] sowie die Funktionen zum Einstellen von Audio [5] und Datum [6]. Die Dash Lens für Video hingegen arbeiten noch nicht; auch Unity Autohide würde noch nicht funktionieren, einige Icons im Gnome-Control-Center seien mehrfach vorhanden und die Overlay-Scrollbars noch nicht paketiert.

Um Unity auf Fedora zum Laufen zu bringen nutzen die Entwickler allerdings eine Reihe von Tricks, die Paket-Betreuern beim Fedora-Projekt und dem auf vielen Fedora-Systemen genutzten Depots des Projekts RPM Fusion nicht gestattet wären [7]. Statt Probleme beim Compilieren mit dem Fedora beiliegenden GCC 4.7 zu korrigieren, liefert das "GNOME:Ayatana" etwa GCC 4.6 mit. Im Depot finden sich ferner Bibliotheken und Programme wie NetworkManager-gnome, compiz, libzeitgeist, metacity, pulseaudio sowie GTK+ 2 und 3, die Fedora in anderen Ausführungen bereits beiliegen. Einige der GNOME:Ayatana-Pakete ersetzen sogar die zu Fedora gehörenden Software – es kann daher passieren, dass Fedora beiliegenden Desktop-Umgebungen wie Gnome, KDE oder Xfce Probleme zeigen, nachdem man Unity über das GNOME:Ayatana-Depot installiert hat.

Gründe, die solche Tricks nötig machen, hat Nelson Marques in einer Mail [8] an die Fedora-Entwickler erläutert; er erwähnt etwa, das Unity auf einige Änderungen bei GTK+ und XInput2 angewiesen war, als er sich noch um das von ihm gestartete "GNOME:Ayatana-Projekt" gekümmert hat. Aufgrund der Schwierigkeiten hat er die Arbeit aber eingestellt; an den jetzigen Paketen ist er nicht direkt beteiligt. Es wird sich zeigen müssen, wie lange die GNOME:Ayatana-Entwickler mit solchen Problemen kämpfen mögen und wie gut sie das schaffen.

Siehe dazu auch:

(thl [10])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1647227

Links in diesem Artikel:
[1] https://build.opensuse.org/project/show?project=GNOME%3AAyatana
[2] http://download.opensuse.org/repositories/GNOME%3A/Ayatana/Fedora_17/
[3] https://build.opensuse.org/project/users?project=GNOME%3AAyatana
[4] http://img33.imageshack.us/img33/7733/screenshotfrom201207191.png
[5] http://i45.tinypic.com/3127adf.png
[6] http://i48.tinypic.com/2cp5p3t.png
[7] http://fedoraproject.org/wiki/Packaging%3AGuidelines#Packaging_Guidelines
[8] http://thread.gmane.org/gmane.linux.redhat.fedora.devel/166904/focus%3D166936
[9] https://www.heise.de/ct/artikel/Die-Woche-Unity-geht-nicht-im-Alleingang-1427248.html
[10] mailto:thl@ct.de