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Über 47 Millionen IT-Angriffe auf die Bundeswehr im Jahr 2016

Bis Anfang Dezember registrierte das Bundesverteidigungsministerium im vergangenen Jahr laut einem Bericht über 47 Millionen unberechtigte oder schadhafte Zugriffsversuche. Die Hackerattacke auf den Bundestag soll Kosten in Millionenhöhe verursacht haben.

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Netzwerkkabel

(Bild: dpa, Felix Kästle/Symbolbild)

Die Bundeswehr, die seit Kurzem offenbar offensiv im Cyberspace mit sogenannten Computernetzwerkoperationen aktiv ist, ist selbst Ziel zahlreicher Cyberangriffe. Bis Anfang Dezember entdeckte das Bundesverteidigungsministerium 2016 mehr als 47 Millionen unberechtigte oder schadhafte Zugriffsversuche auf Netze der hiesigen Armee, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) der Madsack-Gruppe. Neun Millionen davon habe die Bundeswehr in die Gefahrengruppe "hoch" eingestuft. Dies sei eine halbe Million häufiger gewesen als im gesamten Vorjahr.

Die einschlägige Gefahrengruppe rechnet das Verteidigungsressort Cyberattacken zu, bei denen es nicht gelingt, die Eindringversuche durch herkömmliche Virenschutzprogramme oder Firewall-Syteme abzuwehren. Nach Angaben des Ministeriums erlitt die Truppe durch derlei Angriffe aber bislang keine nennenswerten Schäden. Bei Auslandseinsätzen soll die Bundeswehr im Visier von 58.000 Hackerattacken gestanden haben, von denen sie 21.000 als besonders gefährlich einstufte.

Über eigene Netzwerkoperationen und Cyberangriffe der Truppe schweigt sich die Bundesregierung laut einer jüngst veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken aus, da diese geheim eingestuft seien. Mit Attacken russischer Cybergruppen seien derlei Aktivitäten aber schon "aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Rahmenbedingungen" überhaupt nicht zu vergleichen.

Den Bundestag sieht die Regierung im Fokus des russischen Aufklärungsinteresses, geht aus der Stellungnahme hervor. So habe es nach dem großen Hackerangriff vom Frühjahr 2015 auf das Parlament auch im Mai und August 2016 erneut Attacken auf den Bundestag sowie mehrere politische Parteien gegeben. Ähnlich wie bei dem Cyberangriff mit Datendiebstahl auf die Zentrale der Demokratischen Partei in den USA würden diese "der Angriffskampagne APT 28" zugerechnet. Dabei deuteten wiederum "eine Vielzahl von Indizien auf eine russische Urheberschaft hin".

Der IT-Sicherheitsvorfall im Bundestag 2015 soll nach RND-Informationen Kosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro verursacht haben. Die Zeitungsgruppe beruft sich dabei auf Angaben aus Kreisen der Bundestagsverwaltung. Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe schier die gesamte IT-Infrastruktur des Parlaments neu aufsetzen müssen.

Ole Schröder, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sieht bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass Russlands für diesen Cyberangriff verantwortlich sei. "Es liegen zurzeit keine Erkenntnisse vor, die das untermauern würden", erklärte der CDU-Politiker. Auch die Vorwürfe in Richtung Russland bei den Phishing-Attacken jüngeren Datums halten laut dem Linken Andrej Hunko "einer Überprüfung nicht stand". Es könne nicht als Indiz für eine russischen Angriff gewertet werden, "wenn beim Programmieren der Hackertools eine kyrillische Tastatur verwendet wird".

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat dem Innenressort zufolge im ersten Halbjahr 2016 mehr als 400 Angriffe auf Regierungsnetze pro Tag aufgedeckt, die mit kommerziellen Schutzprodukten nicht erkennbar gewesen seien. Darunter befänden sich rund 20 hochspezialisierte Angriffe, die angeblich nur durch manuelle Analysen detektierbar waren. Im Schnitt habe laut BSI einer dieser Vorfälle pro Woche einen geheimdienstlichen Hintergrund. (Stefan Krempl) / (jk)

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